Willy Brandt

(1913-1992)

Willy Brandt

„Der Kniefall von Warschau“ - es gibt wohl nur wenige Bilder der jüngeren Deutschen Geschichte, die soviel Symbolkraft ausstrahlen, wie diese Geste vor dem Mahnmal des Warschauer Ghettos. Der Name der mit diesem Bild für immer verbunden ist, ist derjenige Willy Brandts, des ersten sozialdemokratischen Kanzlers der Bundesrepublik. Dabei wurde Willy Brandt unter einem ganz anderen Namen am 18.Dezember 1913 in der Hansestadt Lübeck geboren. Sein bürgerlicher Name lautete Herbert Frahm. Er war der uneheliche Sohn einer einfachen Verkäuferin und eines Lehrers, und wurde von seinem Großvater aufgezogen. Das er unehelich zur Welt kam, war in der damaligen Zeit alles andere als einfach. Selbst in den 50er und 60er Jahren wurde ihm dieser Umstand vom damaligen Kanzler Adenauer negativ in Erinnerung gerufen. Auch die Umstände, in die er hinein geboren wurde und in denen er aufwuchs, ließen nicht automatisch jenen Weg erahnen, der ihn schließlich im Jahre 1969 bis ins Amt des Bundeskanzlers führen sollte. Er war ein Aufsteiger.
Als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht gelangten, floh der bereits politisch tätige Herbert Frahm ins Exil nach Norwegen. Dort begann er in Oslo ein Geschichtsstudium und war als freier Journalist tätig. Unter seinem neuen Decknamen Willy Brandt kehrte er nach einigen Jahren nach Deutschland zurück, um im Berliner Untergrund tätig zu werden. Er berichtete aus dem Spanischen Bürgerkrieg als Journalist und geriet 1940 sogar kurzzeitig in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nachdem ihm die Hitlerdiktatur seine deutsche Staatsbürgerschaft abgesprochen hatte, nahm er die seines neuen Zuhauses Norwegen an, von wo er allerdings ebenfalls vor den Nazis ins neutrale Schweden fliehen musste. Unter der steten Gefahr seinen Feinden in die Hände zu fallen, überstand er den Krieg im Exil und kehrte anschließend als Journalist in sein vom Faschismus befreites Heimatland Deutschland zurück, um dort von den Nürnberger Kriegsverbrecher- prozessen zu berichten. Am 1.Juli 1948 erlangte er die deutsche Staatsbürgerschaft wieder, behielt jedoch seinen ehemaligen Decknamen Willy Brandt als neuen offiziellen Namen bei. Berlin wurde nun seine politische Heimat, in der er 1957 zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Dieses Amt, das er bis 1966 inne hatte, war vor allem durch den Mauerbau im Jahre 1961 geprägt. Als es 1966 zur ersten großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD kam, wurde Brandt Vizekanzler und Außenminister. Bereits hier setzte er sich für seine mit Egon Bahr entwickelte Politik des „Wandels durch Annäherung“ ein, welche eine schrittweise Normalisierung der Beziehungen mit der DDR und den übrigen östlichen Staaten anstrebte, um so mittelfristig den Umgang und langfristig die Verbesserung der Verhältnisse zwischen West und Ost zu erreichen.
Dann kam das Jahr 1969, indem ihn der deutsche Bundestag mit den Stimmen von SPD und FDP zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler der Bundesrepublik wählte. Nun setzte er sich noch stärker für die Aussöhnung mit Polen und die Annäherung mit der DDR ein. Vor allem die Moskauer und Warschauer Verträge waren in der damaligen Situation zugleich mutige als auch wichtige Schritte auf diesem Weg. Nicht zuletzt die darin enthaltene Anerkennung der sogenannten Oder- Neiße- Grenze mit Polen löste in Deutschland starke Kritik aus, bedeutete aber zugleich für die Aussöhnung mit Polen einen entscheidenden Schritt nach vorn. Trotz all der heftigen Anfeindungen, vor allem von Seiten des politisch konservativen Lagers, gelten die sogenannten Ostverträge heute als wichtige Meilensteine auf dem Weg zur deutschen als auch europäischen Wiedervereinigung nach dem Ende des Kalten Krieges. Dafür erhielt Brandt am 10.Dezember 1971 den Friedensnobelpreis.

Seine Art Politik zu machen, ließ das Ansehen und Vertrauen der anderen Staaten in Deutschland wieder wachsen. Brandt war der erste Bundeskanzler, der den Staat Israel besuchte und der eine Rede vor der UN Vollversammlung hielt.
1972 versuchte ihn die Opposition aus CDU/CSU im Bonner Parlament mit Hilfe eines Konstruktiven Misstrauensvotums zu stürzen und scheiterte damit. Immer häufiger merkte man in diesen Jahren dem Bundeskanzler jedoch eine Art Melancholie an. Sein Amt schien ihn zusehend aufzuzehren. Als 1974 sein Mitarbeiter Günter Guillaume als Spion der Stasi enttarnt wurde, trat er schließlich am 6.Mai 1974 als Bundeskanzler zurück. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde der Sozialdemokrat Helmut Schmidt.
Auch nach seinem Rücktritt blieb Willy Brandt als SPD- Vorsitzender und Mitglied in vielen internationalen Gremien, wie der Sozialistischen Internationalen, weiterhin aktiv. Freundschaften verbanden ihn mit anderen europäischen Sozialdemokraten wie dem Österreicher Bruno Kreisky oder dem Schweden Olof Palme.

Am 8.Oktober 1992 starb Willy Brandt in der Nähe von Bonn, sein Leichnam wurde in Berlin beigesetzt, jener Stadt, in der seine politische Karriere begann und für dessen Wiedervereinigung er viel erwirkt hat. Ihm zu Ehren wird die Parteizentrale der SPD, dessen Ehrenvorsitzender er bis zu seinem Tod war, Willy- Brandt- Haus genannt.

Marco Maria Emunds

 

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