Rosa Luxemburg

(1871-1919)

Die Person Rosa Luxemburg und ihre Geschichte ist bis heute verstellt von einer ganzen Phalanx von Vorurteilen auf der einen und Verklärungen auf der anderen Seite. Auch die Sozialdemokratie, zu der sie jahrelang gehörte und für die sie sich viele Verdienste erwarb, hat ein unsicheres bis abwehrendes Verhältnis zu dieser Frau. Dies hängt vor allem mit ihrer Rolle während der Novemberrevolution 1918 und den anschließenden Kämpfen und Geburtswehen der ersten deutschen Republik zusammen.
Geboren wurde Rozalia Luksenburg wahrscheinlich am 05.März 1871 im damals von Russland besetzten polnischen Zamosc als fünftes Kind eines jüdischen Holzhändlers. Nach dem Umzug der Familie nach Warschau besuchte Rosa dort das Gymnasium und bestand 1888 ihr Abitur mit Auszeichnung. Dass sie klein von Wuchs und mit Gehbehinderung eine um so stärkere Persönlichkeit mit festem Willen und politischen Zielen war, bewies sie bereits als Schülerin, als sie 1886 in die verbotene und verfolgte polnische Arbeiterpartei „Proletariat“ eintrat und für diese im Untergrund arbeitete. Als diese Mitgliedschaft aufflog, verließ sie ihre Heimat und floh ins Exil nach Zürich. Dort stürzte sie sich mit großer Wissbegierde in das Studium der Philosophie, Geschichtswissenschaft, Ökonomie und Mathematik und wurde 1897 mit dem Thema „Polens industrielle Entwicklung“ mit magna cum laude promoviert. Ein Jahr später heiratete sie Gustav Lübeck und erhielt auf diesem Weg die deutsche Staatsbürgerschaft, mit der sie nach Berlin übersiedeln konnte.
Dort angekommen, trat sie der SPD bei und vertrat eine klassenkämpferische Position, die sie schnell zu einer Wortführerin des linken Parteiflügels werden ließ. Im Gegensatz zu den Positionen von Eduard Bernstein wollte sie nicht die Lasten des Kapitalismus mit den Mitteln von Parlamentarismus und Reformen mildern, sondern trat für die Prinzipien des Klassenkampfes und die Umverteilung der Produktionsverhältnisse ein. Zwar konnte sie sich damit am Ende innerhalb der Sozialdemokratie nicht durchsetzen, die unter August Bebel auf den Weg des Parlamentarismus setzte, dennoch warb sie weiterhin für ihre Linie, nicht zuletzt als Chefredaktionärin der Leipziger Volkszeitung. Konflikte mit Parteigenossen blieben dabei auch weiter nicht aus, wobei nun vor allem die Themen Militarismus und Imperialismus im Zentrum ihres Wirkens standen. Beides lehnte sie entschieden ab, was ihr 1904 zwei Monate Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung einbrachte, hatte sie doch dessen Kenntnis von den wirklichen Lebensumständen der Arbeiter bezweifelt. Das Jahr 1907 brachte Veränderung in das Leben der nun 36jährigen: Sie begann eine Liebesbeziehung mit Kostja Zetkin, dem Sohn Clara Zetkins und wurde Dozentin für Ökonomie an der SPD-Parteischule Berlin. Zu ihren Schülern gehörte unter anderem Friedrich Ebert, den sie gut 20 Jahre später als Verräter an der Arbeitersache bekämpfen würde.
In den Jahren und Monaten vor dem tragischen August 1914 bemühte sich Rosa Luxemburg in unzähligen Artikeln und Reden den sich immer deutlicher abzeichnenden Kriegskurs der europäischen Staaten abzuwenden. Ihre Hoffnung bestand dabei vor allem auf der Arbeiterklasse der einzelnen Nationen, die sie zu Befehlsverweigerung aufrief und an ihre internationale Verbundenheit zu erinnern suchte. Als dann die Lichter in Europa ausgingen und der Erste Weltkrieg ausbrach, stand sie vor den Trümmern ihrer Bemühungen. Anders als gehofft, zogen auch die meisten Arbeiter mit Hurrarufen in den Krieg. Als am 04.August 1914 auch die Reichstagsfraktion ihrer Partei die ersten Kriegskredite bewilligte, dachte sie in ihrer Verzweiflung über Selbstmord nach. Doch nur einen Tag später nahm sie ihren Kampf für den Frieden wieder auf und gründete mit anderen sozialdemokratischen Kriegsgegnern die „Gruppe Internationale“ aus der 1916 die „Spartakusgruppe“ hervorging. Vor allem mit Hilfe von Generalstreiks wollte man den Frieden doch noch erzwingen. Rosa Luxemburg konnte jedoch ab 1915 kaum noch selber aktiv werden, da sie erneut im Gefängnis und ab Juli 1916 in Sicherungsverwahrung war.
In der Hoffnung einen separaten Waffenstillstand an der Ostfront zu erreichen, hatte die deutsche Führung 1917 den im schweizer Exil lebenden Revolutionär Lenin nach Russland bringen lassen, wo dieser die Macht an sich riss und mit seinen Bolschewiki begann, eine sozialistische Sowjetrepublik zu errichten. Rosa Luxemburg erfuhr im Gefängnis davon. Auf sie musste es den Anschein haben, als würde nun endlich jene Revolution beginnen, auf die sie schon so lange hinarbeitete. Zugleich setzte sie sich aber auch kritisch mit den konkreten Entwicklungen in Russland auseinander und fasste ihre Gedanken in dem Aufsatz „Zur russischen Revolution“ zusammen, der erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurde. Darin begrüßte sie grundlegend den Beginn der Oktoberrevolution, warnte jedoch zugleich vor der Diktatur der Bolschewiki und der elitären Auslegung des Sozialismus nach Lenin. Dieser wollte die Revolution von einer politischen Avantgarde betrieben sehen, zwar im Sinne der bereiten Massen aber ohne deren direkte Einflussnahme. Dies ist mit ein Grund für die Skepsis, die man Rosa Luxemburg später in der DDR entgegenbringen sollte, in der ihre Schriften erst ab 1970 in Gänze veröffentlicht wurden. In diesem Aufsatz findet sich darüber hinaus jenes berühmte Zitat, das in seiner Klarheit und Eindringlichkeit beeindruckt, aber eine genauere Auslegung des Adressatenkreises schuldig bleibt: „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.“
Im November 1918 überschlugen sich die Ereignisse auch in Berlin. Der Kaiser wurde abgesetzt und die Republik ausgerufen, die Straßen waren voller Arbeiter und Soldaten, die nach Frieden, Brot und politischer Beteiligung verlangten. Rosa Luxemburg kam aus der Haft in Breslau frei und kehrte nach Berlin zurück. Hier begann sie zusammen mit Karl Liebknecht die Zeitung „Die Rote Fahne“ herauszugeben, in der sie in unzähligen Artikeln die Revolution voranzubringen suchte. Bald schon wurde klar, dass eine Grundentscheidung bevor stand: Sollte es in Deutschland zu einer parlamentarischen Demokratie kommen – hierfür traten unter anderem Friedrich Ebert und weite Teile der Mitte-Sozialdemokratie ein – oder zu einer Räterepublik nach russischem Vorbild – was Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und der Spartakusbund forderten. Der Streit wurde mehr und mehr auf der Straße und mit Gewalt ausgetragen. Während sich Ebert mit dem Militär verband, gründeten Spartakisten und Teile der linken SPD die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), deren Parteiprogramm Rosa Luxemburg verfasste. Die Konfrontation zwischen den beiden Lagern spitzte sich immer mehr zu und mündete Anfang Januar 1919 schließlich im Spartakusaufstand, den Rosa Luxemburg scharf kritisierte und der von Regierungstruppen und Freikorps niedergeschlagen wurde. Auf die Anführer wurden Kopfgelder ausgesetzt und auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren gezwungen unterzutauchen.
Am 15.Januar 1919 wurden sie und Karl Liebknecht von Freikorps verhaftet, verhört und schließlich ermordet. In wie weit die Regierung, insbesondere Reichswehrminister Gustav Noske, in diese Tat verwickelt war, ist bis heute unklar. Die Täter wurden anschließend freigesprochen und mögliche Hintermänner und Auftraggeber nie ermittelt. Auch die Rolle von Friedrich Naumann, Paul Mankiewitz (Deutsche Bank), Eduard Stadler und des Antibolschewismusfonds der deutschen Wirtschaft blieben lange unbeachtet. Ihre letzte Ruhe fand Rosa Luxemburg neben Karl Liebknecht auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde.
Heute wird ihr Erbe vor allem von der Partei Die Linke geehrt, dabei war sie als Mitglied der Sozialdemokratie eine wichtige Stimme im Ringen um Friede und soziale Gerechtigkeit, die auch innerhalb der SPD nicht vergessen werden sollte. Mögen ihre Ansichten auch am Ende nicht im Einklang mit den Vorstellungen der parlamentarischen Demokratie gestanden haben, so war sie zugleich Geisteskind einer Zeit, in der der Kampf um soziale Gerechtigkeit und Freiheit mit wesentlich mehr Kraft und Widerstand geführt werden musste, als dies heute der Fall ist. Als Säulenheilige eignet sich diese Frau sicher nicht, aber gerade ihre Widersprüche und Risse machen sie zu einer Person, deren Mut und Wille heute noch beeindrucken und antreiben können. Dass eine geplante Briefmarke mit ihrem Porträt 1973 von Seiten der Union eine hitzige Bundestagsdebatte auslöste, wirkt vor diesem Hintergrund befremdlich bis peinlich.

Marco Maria Emunds

 

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