Regine Hildebrandt

(1941-2001)

Für viele Menschen aus Ostdeutschland, vornehmlich aus Berlin und Brandenburg, war Regine Hildebrandt das Sprachrohr ihrer Anliegen. Mit ihrer direkten Art und hellwachen Lebensschläue galt sie als die „Mutter Courage des Ostens“. Geboren wurde Regine am 26.April 1941 in Berlin. In ihren Kindertagen erlebte sie mit, was es bedeutet, ausgebombt, evakuiert und vertrieben zu werden und nach der Rückkehr ins zerstörte Berlin bei Null wieder anfangen zu müssen. Not und Elend waren ihr wohl vertraut und nach der Teilung fand sie sich im Osten wieder, in der DDR. Als sie nach dem Abitur mit dem Studium der Biologie an der Humboldt Universität beginnen wollte, spürte sie, was es heißen kann, eigensinnig und selbstbewusst zu sein.
Die junge Regine hatte sich geweigert, Mitglied der FDJ zu werden.Als Konsequenz wurde ihr nun der Studienplatz verweigert. Doch von solchen Hindernissen ließ sie sich nicht abhalten. Mit Hartnäckigkeit und Selbstbewusstsein erreichte sie ihre Zulassung und verließ 1968 die Universität als promotivierte Biologin, um im VEB Berlin-Chemie als Arzneimittelforscherin für den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sorgen. Seit 1966 war sie mit Jörg Hildebrandt verheiratet und brachte zwischen 1969 und 1974 drei gemeinsame Kinder zur Welt.

Gradlinigkeit und Aufrichtigkeit waren schon damals das Richtmaß und der Anspruch, an dem sie ihr Leben ausrichtete. Zwischen 1978 und 1990 war sie vor allem im Bereich der Forschung tätig und arbeitete in der Berliner Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten. Aus dieser Arbeit gingen eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Fachveröffentlichungen hervor und womöglich hätte Regine Hildebrand ihr Leben ganz dieser Forschung gewidmet. Doch dann kam das Jahr 1989 und kurz darauf verschwand nach der Mauer auch die DDR. In einem Brief an ihre Enkel beschreibt sie später, dass es vor allem die Fähigkeit zur Improvisation und die Freude am Kleinen und das Teilhabenlassen und Sorgen für andere war, dass sie in den Jahren der DDR kennen und schätzen lernte. Doch nun war alles anders geworden, dass Land war im Aufbruch und der Wind of Change durchwehte Berlin. Regine Hildebrand schloss sich der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ an und trat im Oktober 1989 der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP) bei. Zusammen mit anderen wie Joachim Gauck, Wolfgang Thierse und Matthias Platzeck wurde sie bei der ersten freien Wahl der DDR in die Volkskammer gewählt und übernahm im Kabinett Lothar de Maizières das Ministerium für Arbeit und Soziales. Im Herbst 1990 wechselte sie dann als Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen in die brandenburgische Landesregierung.
Als die SPD zwischen 1994 und 1999 die alleinige Regierungsverantwortung besaß, blieb sie ebenfalls Ministerin. Nachdem jedoch 1999 Ministerpräsident Stolpe lieber mit der CDU als mit der PDS eine Koalition einging, legte Regine Hildebrand ihr Amt nieder und verlagerte ihre politische Tätigkeit auf Vorträge, Reden und die Mitarbeit in SPD-Parteivorstand und dem Forum Ostdeutschland. Dabei behielt sie immer ihren kritischen Geist und den Mut zur eigenen, notfalls auch kontroversen Meinung. So merkte sie selbstkritisch zur Wende und deren Folgen an: „Durch die Wende, scheint mir, sind wir Ostler von einem Extrem ins andere gefallen und haben eben das richtige Maß, das wir brauchen, wieder verfehlt.“
Dass ihre Meinung oftmals zwar unbequem, aber anerkannt und beachtet wurde, zeigen die vielen Auszeichnungen, die man Regine Hildebrand verlieh. Sie war unter anderem Trägerin des Gustav-Heinemann-Bürgerpreises, des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und wurde 1991 zur Frau des Jahres gewählt. Seit 2002 verleiht die SPD den Regine-Hildebrand-Preis als Auszeichnung für den Einsatz für Ostdeutschland und seine Menschen. Welche Bedeutung sie und ihre unermüdliche Arbeit für die Menschen vor Ort hatte, beschrieb ihr politischer Weggefährte und Freund Wolfgang Thierse so: „Ich glaube nicht, dass sie zu ersetzen ist. Wer hat schon ihre Überzeugungskraft, ihr Mundwerk, ihre Ausdauer, ihre Fähigkeit zu lauten und leisen Tönen, wie soll man das ersetzen.“

Regine Hildebrand verstarb am 26.November 2001. Schon 1996 hatte man bei ihr Brustkrebs festgestellt. Doch auch davon ließ sie sich nicht aus dem Tritt bringen, vielmehr nahm sie das Problem aktiv an, sprach es aus und warb aus eigener Erfahrung heraus für die Hospizbewegung und das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben. Kurz vor ihrem Tod verfasste sie einen Brief an ihre Enkel, in dem sie mit der Botschaft schließt: „Tue was du für richtig hälst, in deiner Familie, in deinem Freundeskreis, deinem Kollegenkreis. Lebe das richtige Maß vor!“


Marco Maria Emunds

 

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