Marie Schlei

(1919-1983)

„Solidarität“ ist eine sozialdemokratische Grundmaxime. Doch sie kann nur dort wirklich zur Entfaltung kommen, wo sie für alle Menschen gilt und Anwendung findet. In Zeiten der immer stärker zunehmenden Globalisierung, in denen die Welt durch Internet- und Wirtschaftsverbindungen zunehmend näher zusammenrückt, kann und darf Solidarität nicht an nationalen Grenzen Halt machen. Eine, die diese Tatsache bereits vor mehreren Jahrzehnten begriffen und in die Tat umgesetzt hat, war die erste weibliche Ministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Marie Schlei.

Der Erste Weltkrieg war gerade vorüber, da wird sie als Marie Stabenow am 26. November 1919 in Reetz (Pommern) geboren. Obwohl sie in sehr einfachen Verhältnissen aufwächst, der Vater war Klempner und die Mutter Fabrikarbeiterin, steht ihr Berufswunsch schon in jungen Jahren fest – Marie will Lehrerin werden.
Doch das Leben macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Als sie 16 Jahre alt ist, verstirbt ihr Vater nach schwerer Krankheit und ihre Familie ist auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen. An ein Abitur und ein Studium ist in dieser Situation nicht mehr zu denken. So findet sie erst als Verkäuferin und anschließend als Postangestellte ein Auskommen. Bald darauf folgen Hochzeit und ein erstes Kind. Nach schwierigen Jahren scheint es nun, als habe Marie ihren Platz im Leben gefunden. Doch es ziehen erneut dunkle Wolken auf: Hitler, die braune Diktatur, schließlich der Zweite Weltkrieg, und es sollte sich abermals alles verändern. Im vierten Kriegsjahr fällt ihr Mann und mit dem nahenden Ende des Krieges und dem Heranrücken der Roten Armee wird eine Flucht in Richtung Westen unausweichlich. So landet Marie Schlei 1947 schließlich in Berlin und kann mit viel Tat- und Willenskraft ihren Wunsch doch noch erfüllen: sie wird Lehrerin. Bald schon stellt sie ihr Können unter Beweis und steigt rasch auf; von der Lehrerin zur Schuldirektorin und schließlich zur Schulrätin.

Zunehmend wir in dieser Zeit ihre Arbeit politisch, vor allem für die Chancengleichheit für Mädchen und Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen setzt sie sich ein.
Bereits 1949 war Marie Schlei in die SPD eingetreten, jene Partei, die ihrer Meinung nach die Vorstellung von Gleichberechtigung im Bildungsbereich am stärksten befördert. Seit 1969 sitzt sie für die Sozialdemokraten und Berlin im Bonner Parlament. Auch hier wird man bald auf die selbstbewusste und engagierte Abgeordnete aufmerksam. Als Helmut Schmidt im Jahre 1974 Bundeskanzler wird, beruft er Marie Schlei zur Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundeskanzleramt. Es dauert nicht lange und sie ist die erste weibliche Ministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, jener Bereich also, den man auch als Entwicklungshilfe bezeichnet. Dieses Amt sollte sie auf ihre Weise stark prägen. Vor allem die Situation der Frauen in den Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ nimmt Marie Schlei in den Blick und erzeugt auch bei den Medien und der deutschen Öffentlichkeit ein Bewusstsein für deren nicht selten hilflose Lebenssituationen voller Not und Unterdrückung. So findet die Beteiligung der Frauen an den Entwicklungsprozessen der jeweiligen Länder nachhaltigen Niederschlag in der Ausrichtung der Entwicklungshilfe der kommenden Jahre. Auch in anderen Gremien und Ämtern erwirbt Marie Schlei sich rasch einen guten und verlässlichen Ruf.

Als dann jedoch im Jahre 1981 bei ihr eine unheilbare Krebserkrankung diagnostiziert wird, erklärt sie ihren Rückzug aus allen politischen Ämtern und verstirbt schließlich am 21.Mai 1983 mit nur 63 Jahren.
Ihre Ideale und ihr Engagement, vor allem für die Lage der Frauen auf der ganzen Welt, finden im 1984 gegründeten Marie-Schlei-Verein ihre Fortwirkung. Dieser Verein ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, der sich vor allem die Förderung von Frauenausbildungs- und Weiterbildungsprojekten in Afrika, Asien und Lateinamerika, widmet. So wird ein Stück von jener globalen Solidarität gelebt, für die Marie Schlei eine entscheidende Vordenkerin gewesen ist.

Marco Maria Emunds

 

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