Marie Juchacz

(1879-1956)

Marie Juchacz

Als am 19. Februar 1919 eine Frau mittleren Alters und eher kleiner Statur das Rednerpult der Weimarer Nationalversammlung betritt und ihre Rede mit den Worten beginnt: „Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf“, hat sie bereits einen langen Weg hinter sich.
Geboren wurde Marie Juchacz als Marie Gohlke am 15. März 1879 in Landsberg an der Warthe (heute: Gorzów Wielkopolski). Ihr Vater war ein einfacher Handwerker und auch ihr eigenes Leben schlug, nach dem obligatorischen Besuch der Volksschule, zunächst den zu erwartenden Verlauf einer einfachen Hausmädchentätigkeit in verschiedenen Anstellungen ein. Anschließend verdiente sie als Fabrikarbeiterin und mit anderen Aushilfstätigkeiten das nötige Geld, um sich selbst eine Ausbildung als Schneiderin zu ermöglichen. In dieser schwierigen Zeit lernte sie auch ihren Ehemann kennen, von dem sie sich jedoch bald wieder trennen und mit ihren Kindern nach Berlin umsiedeln sollte.

In Berlin wurde ihr Denken zunehmend politischer und sie begann sich in sogenannten Frauenbildungsvereinen zu engagieren, die der Sozialdemokratie sehr nahe standen, aber auf Grund der politischen Lage im Kaiserreich die Tarnung der Weiterbildungsgemeinschaften nutzten. Hier wurde Marie Juchacz politisch geprägt und lernte, sich auch gegen Männer auf diesem Feld durchzusetzen. Zunehmend wurde sie in dieser Zeit als Vortragsrednerin und politische Referentin aktiv und bereiste während ihrer vielen Vorträge die verschiedenen Regionen des deutschen Reiches. In Köln machte man ihr schließlich das Angebot, das Amt einer aktiven Funktionärin zu übernehmen. So zog sie im Jahre 1913 an den Rhein.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dessen Verlauf stieg die Zahl der Hilfsbedürftigen und Kriegsverseherten. Für diese stetig wachsende Menge notleidender Menschen setzte sich Marie Juchacz zusammen mit anderen Frauen ein. Sie kümmerte sich um Kriegswitwen und deren Versorgung, um Kinder aus armen Verhältnissen, um Kriegsinvaliden oder sonstige Bedürftige. Darüber hinaus richtete sie eine Werkstatt ein, in der Frauen, deren Männer im Krieg waren, für sich und ihre Kinder etwas Geld verdienen konnten. In dieser Zeit entwickelten sich bei ihr ein zunehmendes Verständnis und eine praktische Einsicht in die Verhältnisse am unteren Rand der Gesellschaft, die nicht selten von großer Not geprägt waren.
Im Zuge der weiteren politischen und militärischen Entwicklung des Krieges, spaltete sich die Sozialdemokratie in USPD und MSPD, also in eine linke Abspaltung und einen Kern der Mitte, auf. Marie Juchacz kehrte nach Berlin zurück und wurde als einzige Frau Mitglied im Vorstand der MSPD. Sofort nahm sie ihre Erfahrungen der Kölner Jahre auf und setzte sich politisch vor allem für die vielen Frauen ein, die während des Krieges sowohl die Rolle der Mutter als auch an Stelle ihrer Männer, die Rolle der Erwerbstüchtigen übernommen hatten. Daneben suchte sie den Kontakt zu anderen Frauen und verfasste mit diesen den berühmten Brief an den Reichskanzler, der schließlich zum Allgemeinen Wahlrecht für Frauen im Deutschen Reich führte. Dieses Wahlrecht nutzten die Frauen am 19. Januar 1919 erstmals bei den freien Wahlen zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung von Weimar. In eben dieser Versammlung geschah es dann, dass Marie Juchacz als erste Frau an das Rednerpult eines deutschen Parlamentes trat.

Trotz dieser Erfolge ließen ihre Erfahrungen mit den Armen und Hilfebedürftigen der mittlerweile 40jährigen keine Ruhe und so gründet sie am 13. Dezember 1919 den sogenannten „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt“. Ziel und Anspruch dieser neuen Gruppierung bestand darin, dass die Arbeiter untereinander und füreinander Verantwortung übernehmen sollten. Gemeinsam mit staatlicher Unterstützung konnte die Arbeiterwohlfahrt so Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Darüber hinaus sollten die Arbeiter, sowohl Männer wie auch Frauen, eine politische und demokratische Erziehung erfahren, für die 1928 in Berlin sogar eine eigene Schule eröffnet wurde. Parallel zu ihrer Tätigkeit in der Arbeiterwohlfahrt (AWO) nahm Marie Juchacz bis 1933 ihr Mandat im Reichstag war und setzte sich in vielen Reden und Anträgen für die Rechte und Anliegen der Frauen ein.
Nach dem Machtumschwung am Beginn des Jahres 1933 beschloss die Arbeiterwohlfahrt ihre Selbstauflösung, um einer Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Marie Juchacz emigrierte über das Saarland nach Frankreich. Nach dem Angriff der Wehrmacht auf Frankreich, floh sie weiter bis in die USA, wo sie in New York erneut begann die Arbeiterwohlfahrt aufzubauen. Im Jahre 1948 kehrte sie nach West-Deutschland zurück und half auch hier tatkräftig beim erneuten Aufbau dieser Organisation mit, deren Ehrenvorsitzende sie bis zu ihrem Tod am 28. Januar 1956 war.
Die Arbeiterwohlfahrt ist auch heute noch in ganz Deutschland im Sinne ihrer Begründerin tätig und bietet mehr als 100 000 Menschen eine sichere Beschäftigung.

Marco Maria Emunds

 

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