Maria Leitner

(1892–1942)

In diesem Jahr, 2012, begehen wir den 120jährigen Geburtstag und 80jährigen Todestag einer Frau, deren Name und Werke den allermeisten unbekannt sind. Dabei war die umtriebige und wortgewandte Ungarin eine glühende Kämpferin für soziale Gerechtigkeit und gegen den Faschismus, die diesen Kampf schließlich mit ihrem Leben bezahlte.

Geboren wurde Maria Leitner 1892 in einer gutbürgerlichen, deutschsprachigen und jüdischen Familie im heutigen Kroatien, damals Österreich-Ungarn, die vier Jahre später nach Budapest übersiedelte. Nach dem Besuch der höheren Mädchenschule und einem Auslandsstudium, begann sie ihre Tätigkeit als Journalistin. Das geschriebene Wort sollte von nun an Mittelpunkt und Ausgangspunkt ihres Lebens werden. Während des Ersten Weltkrieges berichtete Leitner als Auslandskorrespondentin aus Stockholm, kehrte nach dem Krieg in ihr Heimatland zurück und trat 1919 in die Kommunistische Partei Ungarns ein. Nach dem baldigen Fall der Räterepublik war sie jedoch als Linke und Jüdin doppelt gefährdet und floh gemeinsam mit ihren Brüdern nach Berlin.

Der erste große Einschnitt kam dann im Jahre 1925, als sie der renommierte Ullstein Verlag drei Jahre lang durch Nord- und Südamerika schickte, um Reportagen über die dunkle Seite des American Dreams zu verfassen. Dabei blieb Leitner nicht neutrale Beobachterin, sondern drang tief in die Lebensumstände und sozialen Verhältnisse ein. Ähnlich einem Günter Wallraff arbeitete sie als Dienstmädchen, Zigarrendreherin oder Fabrikarbeiterin und berichtete über die Zustände in Zuchthäusern, Diamantenminen oder über den Kampf der Ureinwohner Guayanas gegen eine amerikanische Aluminiumgesellschaft. Die meisten dieser Reportagen wurden anschließend in der Sammlung „Eine Frau reist durch die Welt“ im Jahre 1932 veröffentlicht. Zugleich verarbeitete die überzeugte Linke ihre Erfahrungen in dem gesellschaftskritischen Roman „Hotel Amerika“, der großen Absatz fand, aber nach 1933 in Deutschland verboten und verbrannt wurde. Maria Leitner spürte schnell, dass nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten kein Platz mehr für sie in Deutschland blieb und so musste sie erneut ins Exil fliehen, diesmal über Prag nach Paris.

Doch auch jetzt waren ihr Wille zum Widerstand und ihr Wunsch, die Welt über die Missstände in Nazi-Deutschland zu informieren, größer als ihre Vorsicht und so kehrte sie mehrfach illegal nach Deutschland zurück, um von dort über die Unrechtszustände und zunehmenden Kriegsvorbereitungen zu berichten. 1937 erschien dann in der Pariser Tageszeitung ihr Fortsetzungsroman „Elisabeth – ein Hitlermädchen“, der von der anfänglichen Verblendung und folgenden Ernüchterung und Einsicht eines einfachen deutschen Mädchens berichtet. Ein Jahr später erschien ihre Reportage „Besuch bei Heinrich Heine“, in der sie den Niedergang und die Auslöschung der jüdischen Kultur und Literatur im faschistischen Deutschland anprangert.

Als die deutsche Wehrmacht im Sommer 1940 Frankreich erobert, steht Maria Leitner als Jüdin und Linke natürlich auf der Liste der neuen Herren und wird schon im Mai 1940 in ein Internierungslager gebracht. Zwar gelingt ihr die Flucht nach Marseille, aber dort muss sie in ärmlichsten Verhältnissen im Untergrund leben, jeder Zeit der Gefahr ausgesetzt, von den Besatzern aufgegriffen zu werden. Hier, in Marseille, verlieren sich schließlich ihre Spuren im Jahr 1941. Ob sie am Ende doch in einem Konzentrationslager endete, in ihrem Versteck verhungert oder an einer Krankheit gestorben ist, ist nicht eindeutig geklärt. Dass ihr schriftstellerisches Werk, das sich vehement und authentisch gegen soziale und politische Missstände wendet, sich ebenso wie ihr Ende zunehmend verwischt, schmerzt angesichts eines solch tapferen und mutigen Lebens. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass ein Verlag wie der Ullsteinverlag über die Neuauflage ihrer Reportagen und Romane nachdenkt…

Marco Maria Emunds

 

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