Luise Zietz

(1865-1922)

Luise Zietz

Die Tatsache, dass Frauen in Deutschland ein Wahlrecht besitzen, ist weniger als hundert Jahre alt. Es war das Revolutionsjahr 1918, als der Kaiser abdanken und ins Exil gehen musste und es zur Errichtung der ersten Demokratie auf deutschem Boden kam, als die Forderung „Her mit dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht für Mann und Frau!“ ihre Erfüllung fand. Geschrieben hatte diesen Satz die Soziakdemokratin Luise Zietz bereits 1911 in ihrer Broschüre „Die Frauen und der politische Kampf“. Zwar ist sie heute nicht mehr so bekannt wie ihre Mitstreiterin Clara Zetkin, aber als aktive Politikerin hat sie sich jahrzehntelang für die Anliegen und Interessen der Frauen in Deutschland eingesetzt.

Als sie am 25. März 1865 als Luise Körner in Bargteheide, südlich von Hamburg gelegen, geboren wurde, sprach nicht viel dafür, dass sie gut 40 Jahre später die erste Frau in der deutschen Geschichte sein würde, die in einen Parteivorstand gewählt wird. Schon früh musste sie in der kleinen Heimweberei ihres Vaters mithelfen und lernte Armut, Hunger und Sorgen kennen. Sie verdingte sich als Arbeiterin in einer Tabakfabrik und Hausmädchen, bis sie 1890 den Hafenarbeiter Karl Zietz heiratete und mit ihm nach Hamburg zog. Dort ließ sie sich zur Kindergärtnerin ausbilden und lernte über ihren Mann die Arbeiterbewegung der Hansestadt näher kennen, in die sie zwei Jahre später selbst eintrat. Allerdings war es von Gesetzeswegen einer Frau verboten, aktive Mitarbeit in einer politischen Partei zu betreiben. Doch dann kam es 1896 in den Hamburger Docks zum Streik der Hafenarbeiter und Luise Zietz nutzte ihr selbstbewusstes Auftreten und ihre rhetorische Begabung. Vor allem unter den einfachen Frauen der Arbeiter fand sie schnell Gehör und bald schon sprach man vom „weiblichen Bebel“ Hamburgs. Selbst in diesem Spitznamen schwingt noch die unabsichtliche aber offensichtliche Ungleichheit zwischen Mann und Frau mit, die den Vergleich mit einem führenden Mann nötig machte, um Respekt und Anerkennung ihren Ausdruck zu geben. Doch Luise Zietze ließ sich nicht beirren und warb aktiv bei den Frauen für ihre Partei, die SPD, in der sie ab 1909 als Sekretärin für Frauenfragen zuständig war. Auf ihr Bestreben hin wurde der 19. März zum Internationalen Frauentag bestimmt und ist es bis heute mit dem Wechsel auf den 08. März geblieben.
In dieser Zeit verfasste sie eine Reihe von Studien und Broschüren rund um die Frage Frauenarbeit und Frauenrechte. Durch ihre Arbeit fanden immer mehr Frauen den Weg zu den Ideen einer gerechten und emanzipatorischen Gesellschaft im damaligen Verständnis des Sozialismus. Doch die Idee des Internationalismus fand ein jähes Ende, als Europa 1914 in den Ersten Weltkrieg taumelte und es auch in Deutschland zur sogenannten Burgfrieden-politik zwischen Sozialdemokratie und Reichsregierung kam. Als dann im dritten Kriegsjahr eine ganze Reihe von Sozialdemokraten über die Frage von Kriegskrediten diese politische Stillhaltelinie verließen und eine Unabhängige Sozialdemokratie gründeten (USPD), folgte auch Luise Zietz diesem Beispiel. In den Jahren 1919 und 1920 nahm sie als Delegierte an der Weimarer Nationalversammlung teil und zog anschließend als Abgeordnete in den erstmals von Männern und Frauen frei gewählten neuen Reichstag ein. Auch hier wurde sie nicht müde, sich für die Rechte und Anliegen der Frauen einzusetzen und weitere Gesetzesreformen zu fordern. Doch dann kam der 26. Januar 1922. Während einer heftigen Debatte im Reichstag über die Frage der Reparationszahlungen des Versailler Vertrages erlitt sie einen Herzinfarkt und verstarb am darauffolgenden Tag im Alter von nur 56 Jahren. Beigesetzt wurde sie im Berliner Stadtteil Friedrichsfelde, wo bis heute eine Gedenktafel an sie erinnert.

Marco Maria Emunds

 

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