Kurt Schumacher

(1895-1952)

Nach dem Ende der Nazi-Diktatur gab es innerhalb der vier Besatzungszonen wohl kaum einen so streitbaren Politiker und außergewöhnlichen Redner wie Kurt Schumacher. Er war der größte Kontrahent Konrad Adenauers und einer der schärfsten Kritiker des Kommunismus in der sowjetischen Besatzungszone. Gezeichnet durch lange Jahre in Gefangenschaft und mit einem amputierten Arm und einem amputierten Bein, wirkte er in den frühen Nachkriegsjahren wie die Personifizierung des geschundenen und dennoch moralisch Aufrechten, der trotz aller Bedrängnis, bis hin zum Starrsinn, für seine Ideale von Demokratie und Freiheit eintrat.

Ein solches Wesen trat bereits in seiner frühen Jugend deutlich hervor. Als Sohn eines links-liberalen Lokalpolitikers im westpreußischen Culm (heute Chełmno), erblickte Kurt Ernst Carl Schumacher am 13.Oktober 1895 das Licht der Welt.
Die Welt, in der er aufwuchs, war stark durch polnische und russische Einflüsse geprägt. Zugleich war es eine Welt, in der Gutsbesitzer und das Bildungsbürgertum den Lebenstakt vorgaben und folglich eine sozialdemokratische Position, wie die des jungen Schumachers, eher die Ausnahme und weniger die Regel bildete. So schulte er bereits in diesen Jahren seine Willenskraft und Überzeugungsstärke. Er lernte das Außenseiterdasein zu ertragen und seine eigenen und mit Vernunft errungenen Positionen auch gegen Widerstände zu behaupten.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete sich Kurt Schumacher mit nur 18 Jahren als Freiwilliger zum Dienst an der Waffe. Seine Heimatstadt Culm lag damals nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Er sah es als seine Pflicht an, seine westpreußische Heimat zu verteidigen. Bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn erlitt er an der damaligen Ostfront eine starke Verwundung, die ihn schließlich seinen rechten Arm kosten sollte. So gezeichnet und durch die Krankheit der Ruhr stark geschwächt, wurde er aus der Armee entlassen und begann im Jahre 1915 mit dem Jurastudium, das ihn bis zu seinem Abschluss 1919 nach Halle, Leipzig und Berlin führte. Nach schwierigen und entbehrungsreichen Jahren promovierte Schumacher 1926 schließlich in Münster mit magna cum laude. Inhaltlich setzte er sich in seiner Dissertation mit der Frage auseinander, in wie weit die SPD Staatspartei sein müsse, eine in den Wirren der Nachkriegsjahre hochaktuelle Frage. Für ihn stand es dabei außer Frage, dass die Arbeiterbewegung, zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele, eines staatlichen Rahmens im Sinne von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bedurfte. Dies war eine klare Absage an die Revolutionserwartungen der sozialistischen und kommunistischen Kräfte – eine Position, die er Zeit seines Lebens beibehalten sollte.

Sein weiterer Weg führte ihn nach Schwaben. In Stuttgart arbeitete er als Journalist und fiel rasch als begabter Redner auf, der vor allem der anwachsenden Bewegung des Nationalsozialismus kritisch gegenüber stand. Diese Gegnerschaft sollte sich auch in seiner Zeit als Abgeordneter im Reichstag, in den er im Mai 1930 das erste Mal einzog, nicht ändern. Er geriet in immer größere Konfrontation mit den braunen Abgeordneten, schreckte aber vor keiner dieser Auseinandersetzungen zurück. Nach dem diese schließlich am 30. Januar 1933 an die Macht gelangt waren, wurde Kurt Schumacher verfolgt, verhaftet und in verschiedenen Konzentrationslagern interniert. Das Angebot, durch eine politische Verzichtserklärung dieser Maßnahme zu entgegen, lehnte er entschieden ab.

Erst die Befreiung Deutschlands durch die alliierten Truppen machte diesem Albtraum ein Ende. Doch obwohl Schumacher durch die lange Zeit der Haft gesundheitlich stark angeschlagen war, begann er unmittelbar nach Kriegsende in Hannover mit dem Wiederaufbau der SPD. Diese alte, traditionsreiche Partei wurde im Oktober 1945 wiederbegründet und wählte am 10. Mai 1946 Kurt Schumacher als ihren Vorsitzenden in den drei Westzonen. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 wurde er mit absoluter Stimmenmehrheit seines Wahlbezirks Hannover-Süd in das neue Bonner Parlament entsandt, wo er als Gegenspieler von Bundeskanzler Adenauer der SPD Fraktions- und damit Oppositionsführer wurde. Als Gegenkandidat von Theodor Heuss scheiterte er bei der Wahl zum ersten Bundespräsidenten knapp. Neben seiner kritischen Auseinandersetzung mit Adenauers Westpolitik, die ihm oftmals den Alliierten gegenüber zu nachgiebig erschien, richtete sich seine vehemente Gegnerschaft gegen die Zwangsvereinigung von SPD und KPD in der Sowjetischen Besatzungszone. Den Kommunisten unterstellte er, nach seinen Erfahrungen aus der Zeit der Weimarer Republik, ein radikales und demokratiefeindliches Staatsverständnis.
Die langen Jahre der KZ-Inhaftierung und seines politischen Kampfes hatten jedoch schwere Spuren hinterlassen. Nachdem ihm 1948 auch eines seiner Beine amputiert werden musste, verstarb Kurt Schumacher am 20. August 1952 in Bonn. Seine letzte Ruhe fand er in Hannover. Sein Name steht am Beginn der jungen Bundesrepublik für einen unerbittlichen und unerschütterlichen Streiter für Demokratie und Freiheit.

Marco Maria Emunds

 

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