Käthe Kollwitz

Käthe Kollwitz

Ist Kunst politisch? Darf sie es sein, kann sie es sein oder muss sie es sein? Eine Frage, die so alt ist wie die Kunst selbst. Will man es auf einen einfachen Nenner bringen, so könnte man sagen, Kunst hat zwei Ziele, nach denen sie sich ausrichten kann. Zum einen das Vor-Bild, welches dem Betrachter vor Augen führt, wie die Welt sein und wonach er streben sollte. Dieser Weg reicht von den Herrscherdarstellungen der alten Pharaonen über die antiken Statuen einer Venus von Milet bis hin zur Malerei des realen Sozialismus und den Skulpturen Arno Brekers. Diese Form der Kunst ist immer politisch, weil sie ein Vorbild vorgibt, das erstrebenswert scheint und das es zu antizipieren gilt. Initiatoren einer solchen Kunst sind sowohl Herrscher, Dynastien, Mäzene, Ideologien oder aber der Zeitgeist, der selbst auch immer Kind seiner jeweiligen Epoche ist und damit eine bestimmte Form der jeweiligen Ideologie in sich trägt. Dass diese Form der Kunst in unseren Tagen vor allem in der Werbung Verbreitung gefunden hat, mag der offensichtlichste Fingerzeig auf unsere eigene Epoche mit ihrer in den Subtext des Konsums eingestanzten Ideologie sein. Auf der anderen Seite steht ins Grobe gesprochen eine Form der Kunst, die nicht die Sehnsucht nach einem Ideal sondern Kritik und Zweifel im Betrachter wecken möchte. Sie sucht zu verstören, den Finger in die Wunde ihres Zeitalters zu legen und Realitäten ehrlich, direkt und womöglich gar ins Groteske überzogen aufzuzeigen, um so zum Nachdenken und Neudenken aufzurühren. Diese Form der Kunst wird meist aus dem unteren Blickwinkel betrieben. Sie schaut nach oben auf die Herrschenden und das offensichtliche Ideal, das es zu zertrümmern gilt, um so Raum für neues zu schaffen. Kaum verwunderlich, dass sie in totalitären Regimes verachtet und verboten wird. So machte sich Goya die spanische Inquisition zum Feind, weil er zu freizügig die Realität des menschlichen Körpers und die Verfehlungen des Klerus abbildete. Heute sind es unter anderem die Arbeiten und Auftritte von Jonathan Meese und seiner „Diktatur der Kunst“, die bewusst mit der Gesellschaft brechen und auf Provokation und Verstörung ausgerichtet sind. Auch dies ist letztlich politische Kunst, weil sie das Ziel verfolgt, den Ist-Zustand zu überwinden und etwas Neues herbeizuführen, um dadurch eine Revolution in den Köpfen der Menschen in Gang zu setzen. Eine Künstlerin, die sich der zweiten Stoßrichtung verschrieben hatte und zu den wichtigsten deutschen Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt, ist Käthe Kollwitz. Von ihr stammen die berühmten Radierungen „Ein Weberaufstand“ und das Plakat mit der Parole „Nie wieder Krieg!“ Solch ein Bekenntnis zum Pazifismus mag uns heute fast selbstverständlich erscheinen, aber zu Beginn der 20er Jahre träumte die Mehrheit der Deutschen von einer militärischen Rache für die Niederlage des Ersten Weltkrieges und mit über 2 Millionen Mitgliedern standen die reichsweiten Kriegervereine in voller Blüte. Käthe Kollwitz wusste allerdings genau, worum es ging, wenn sie ihre sozialkritischen Grafiken, Radierungen und Skulpturen erschuf. Geboren am 8. Juli 1867 in einer liberalen Königsberger Familie, war ihr als Mädchen der direkte Weg einer klassischen Ausbildung als Künstlerin verstellt. Ihr Vater erkannt jedoch früh das Talent seiner Tochter und ermöglichte ihr bereits in jungen Jahren eine private Ausbildung bei Gustav Naujok und Rudolf Mauer. Im Anschluss folgten Stationen in Königsberg, Berlin und München bei namenhaften Künstlern wie Emil Neide oder Ludwig v.Herterich. Nach ihrem Studium heiratete sie 1891 den Arzt Karl Kollwitz und zog mit ihm in den Berliner Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg. Dort erlebte sie direkt das Leben der Menschen, die sich ihre Gesundheit in den Fabriken des aufstrebenden Kaiserreiches ruinierten oder an Schwindsucht und Alkoholismus zu Grunde gingen. Als man ihr nach der Teilnahme an der Großen Berliner Kunstausstellung 1898 die kleine goldene Medaille überreichen wollte, lehnte der Kaiser mit der Begründung ab, die sozialkritischen Arbeiten der Käthe Kollwitz seien für ihn bloße „Rinnsteinkunst“ und entsprächen nicht dem Stil der deutschen Kunst, wie sie die Salons des Berliner Großbürgertums schmückte. Es war nicht das letzte Mal, dass Käthe Kollwitz mit dem Geschmack der Herrscherfamilie in Konflikt geriet. Als sie 1906 ein Plakat für die Deutsche-Heimarbeit-Ausstellung anfertigte, ließ Kaiserin Auguste Viktoria dieses mit dem Hinweis entfernen, dass sie von der zu realen Darstellung der darauf abgebildeten, abgearbeiteten und ausgemergelten Frau abgestoßen sei. Ein tiefer Einschnitt in Käthe Kollwitz Leben war das Jahr 1914, als ihr Sohn Peter in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges fiel. Von da an stritt sie vehement für die Beendigung des Krieges und die Durchsetzung des Pazifismus. In der SPD Zeitschrift „Vorwärts“ schrieb sie als Erwiderung auf die stählernen Parolen des Durchhaltens und Weitermachens: „Es ist genug gestorben. Keiner darf mehr fallen. (...) Saatfrüchte dürfen nicht zermahlen werden.“ In der Weimarer Republik fand sie endlich Zuspruch für ihr Schaffen und wurde 1919 als Professorin und erste Frau Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste und 1929 Trägerin des Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste. Auch jetzt war sie eine überzeugte Pazifistin und stellte dies mit ihrer Holzschnittfolge „Krieg“ eindrucksvoll unter Beweis. Diese kurze Blüte von Kreativität und Pluralität in Kunst und Kultur währte jedoch nur kurz und so folgte am 30. Januar 1933 eine dunkle Zeit, in der Kunst wieder nach dem Ideal der „deutschen Kunst“ gefördert und dem Vorwurf der „entarteten Kunst“ verdammt wurde. Käthe Kollwitz erhielt 1936 Ausstellungsverbot und zog sich ins Innere Exil zurück. Nach dem Tod ihres Mannes Karl im Jahre 1940 verlor sie 1942 auch ihren Enkel im Russlandfeldzug. Parallel zu diesen Erfahrungen entstand ihre letzte Lithografie, auf der eine verzweifelte Mutter schützend Hände, Arme und Körper über ihre Kinder ausbreitet. Sie trägt als Titel jenes berühmte Goethezitat, dass Kollwitz bereits im „Vorwärts“ zitiert hatte: „Saatfrüchte sollen nicht zermahlen werden“. Sie selbst verlor bei einem Bombenangriff 1943 einen Großteil ihrer Arbeiten und starb nur wenige Tage vor Kriegsende am 22. April 1945 in Moritzburg bei Dresden. Aufs Ganze betrachtet, steht der Menschen in all seiner Anfälligkeit und Hilflosigkeit im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. All der Gram, die Angst, Verzweiflung und das Leiden der Kriege und Diktaturen spiegeln sich in ihren Grafiken, Radierungen und Skulpturen wieder und mahnen uns bis heute, die Folgen unseres Handelns zu bedenken. In diesem Sinne war Käthe Kollwitz, wenn auch nie aktives Mitglied einer Partei, eine Künstlerin, die mit ihrer Kunst Einfluss im Sinne des Sozialismus und Pazifismus nehmen wollte. Ihr Werk verbindet somit Kunst und Politik zu einer Ästhetik des Lebens, wie es einmalig für ihre Epoche ist.

Marco Maria Emunds

 

Koalitionsvertrag

Jülicher Erklärung

Aktuelle Termine

Alle Termine öffnen.

23.04.2018, 18:30 Uhr - 20:30 Uhr OV Sitzung

24.04.2018 - 10.04.2018 Fraktionssitzung
geänderter Termin

08.05.2018 Fraktionssitzung

28.05.2018, 18:30 Uhr - 20:30 Uhr OV Sitzung

05.06.2018 Fraktionssitzung

Alle Termine

Mitglied werden in der SPD

Mit einer Mitgliedschaft in der SPD können Sie sich aktiv für sozialdemokratische Politik einsetzen, und die Kommunalpolitik in Ihrer Stadt mitgestalten. Hier ist unser Aufnahmeantrag zum Download.

Counter

Besucher:541800
Heute:41
Online:1

Die SPD Jülich bei Facebook: