Käte Frankenthal

(1889-1976)

Ihre Lebenserinnerungen beginnt Käte Frankenthal mit der Feststellung: „Ich bin eine jüdische, intellektuelle Sozialistin – [ein] dreifacher Fluch“. Aus diesem scheinbar so schweren Kapital hat sie in ihrem Leben trotz und vielleicht auch wegen dieser Eigenschaften eine Menge gemacht.

Geboren wurde Käte Frankenthal am 30. Januar 1889 als Tochter des angesehenen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde von Kiel. Mit der traditionellen Religion ihrer Eltern tat sie sich jedoch schwer, vor allem die mangelnde Anerkennung der nichtjüdischen Gesellschaft machte der jungen Käte zu schaffen und weckte zugleich ihren starken Ehrgeiz nach Aufstieg und Akzeptanz. Als sie mit 18 Jahren das erste Mal nach Berlin kam, eröffnete sich der jungen Frau eine neue Welt. Nun konnte sie sich frei entfalten. Sie begann zu Boxen, lernte Fechten und ritt allmorgendlich im Tiergarten aus. Beruflich hatte sie sich nach dem Abitur für das Medizinstudium entschieden, dem sie zwischen 1909 und 1914 an den Universitäten von Kiel, Heidelberg, Erlangen und München nachging und es im Spätsommer des Jahres 1914 mit Promotion abschloss. Dabei war sie eine der ersten Frauen, die an einer deutschen Universität ihre Approbation erhielten. Ihre erste Bewehrungsprobe sollte da bereits unmittelbar vor der nun 25jährigen liegen. Am 01. August 1914 war der Erste Weltkrieg ausgebrochen und auch wenn die deutsche Armee keine Frauen als Militärärzte in ihren Reihen duldete, fand sie in der Österreich-Ungarischen Armee Verwendung und wurde in den Feldlazaretten der Balkanfront eingesetzt. Obwohl sie den Krieg als solchen von Beginn an ablehnte, galt ihre medizinische Fürsorge ganz konkret den verwundeten Frontsoldaten.

Noch während des Krieges trat Käte Frankenthal der SPD bei. Einer der Gründe hierfür soll angeblich eine Beobachtung gewesen sein, die sie bereits während ihres Medizinstudiums machte. Demnach war sie Zeugin, wie ein tuberkulosekranker Junge die Prognose erhielt, er hätte leider nicht das nötige Geld für die Behandlungen und Kuren dieser ansonsten gut heilbaren Krankheit. Hierzu notierte sie: „Nach diesem Erlebnis beschloss ich, aktive Sozialistin zu werden.“ Ihr ganzes Engagement widmete sie nun der Medizin, selbst um den Preis der Ehe- und Kinderlosigkeit. Noch in den Novemberunruhen des Jahres 1918, die in ihrer Heimatstadt Kiel ihren Anfang genommen hatten, leistete sie bei den Aufständischen auf den Straßen Berlins erste Hilfe. Als eine erste zaghafte Ruhe in die junge Republik eingekehrt war, begann sie ihre Arbeit an der Charité und eröffnete zeitgleich eine Privatpraxis, in der sie vor allem Ehe- und Sexualberatung anbot. Damit betrat sie ein für die damalige Zeit äußerst mutiges und fast schon revolutionäres Themenfeld. In ihrer Praxis erhielten vor allem die einfachen Leute kostenlose Verhütungsmittel. Aufgrund ihrer in dieser Phase gemachten Erfahrungen mit der großen Armut der kinderreichen Familien, wurde Käte Frankenthal zu einer entschiedenen Gegnerin des Paragraphen 218.

1928 wechselte sie in die Berliner Kommunalpolitik und übernahm im „proletarischen“ Stadtbezirk Neukölln das Amt einer hauptamtlichen Stadtärztin. Doch ihre Distanz zur Parteiführung wurde zunehmend größer. In Zeiten der nun um sich greifenden Wirtschaftkrise und Notverordnungen fand sie sich immer weniger in der Position der „wirtschaftlichen Macht“ ihrer Partei wieder. Als sich 1931 eine oppositionelle Gruppe von Sozialdemokraten zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) abspaltete, ging Käte Frankenthal diesen politisch folgenlosen Schritt mit. Doch der wirklich Gegner, das hat sie längst erkannt, die Nationalsozialisten, standen am rechten Rand. Und deren Aufstieg zur Macht schien bereits unaufhaltsam. „Ich passte in jede Kategorie, die von den Nazis verabscheut wurde; Jüdin, Sozialistin, Volksvertreter, emanzipiertes Weib […] Ich hatte nichts mehr in Deutschland zu tun“. Am 31. März 1933 verließ sie Berlin und ging über Prag, die Schweiz und Frankreich ins amerikanische Exil. Die Anfangsjahre jenseits des Atlantiks waren für die nun Heimatlose 47jährige eine entbehrungsreiche Phase des Neubeginns; mit Hilfe von Gelegenheitsarbeiten ermöglichte sie sich eine psychoanalytische Ausbildung und eröffnete eine Praxis für Sexualtherapie und Familien- sowie Eheberatung in New York. Hier hatte sie einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden und hier verstarb Käte Frankenthal am 21. April 1976.

Dass sie eine „jüdische, intellektuelle Sozialistin“ war, bleibt ebenso festzuhalten wie die leise Hoffnung, dass sie am Ende ihres Lebens vielleicht doch nicht alles als Fluch empfunden haben mag. Gerade auf den Gebieten der Frauenrechte und der Sexualaufklärung war Käthe Frankenthal aus der Retrospektive der Nachgeborenen ein Segen.

Marco Maria Emunds

 

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