Julius Leber

(1891-1945)

Wer in unseren Tagen die Jugendbegegnungsstätte Kreisau (heute Krzyżowa) in Schlesien besucht, erfährt dort von jener Gruppe, die auf dem damaligen Familiensitz der Familie von Moltke in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus zusammenkam, um eine andere, eine menschlichere Welt vorzudenken. Einer dieser Männer, die Helmuth James Graf von Moltke im sogenannten Kreisauer Kreis um sich versammelt hatte, war Julius Leber.

Als die Henker des Nationalsozialismus Julius Leber am 5. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hinrichteten, wurde einem bewegten und kämpferischen Leben ein viel zu frühes Ende gesetzt. Geboren am 16. November 1891 als unehelicher Sohn einer einfachen Elsässerin in Biesheim, erarbeitete er sich über die Mittlere Reife und eine kaufmännische Ausbildung den Weg zum Abitur und an die Universitäten von Straßburg und Freiburg. Hier studierte er Nationalökonomie und Geschichte. Bereits im Jahr seines Abiturs, 1912, trat der junge Leber der Sozialdemokratischen Partei bei.
Als zwei Jahre später der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Leber freiwillig an die Front. Nach zweimaliger Verwundung und Beförderung zum Leutnant wurde er in die drastisch verkleinerte Reichswehr übernommen und bei den Grenzschutzruppen im Osten des neuen Staates eingesetzt. Dieser neue Staat, die Weimarer Republik, durchlebte vom Beginn ihrer Gründung an sehr unruhige Zeiten. Bereits 1920 versucht man sie mit Hilfe des Kapp-Putsches zu Fall zu bringen. Leber stellte sich in diesen Wirren mit seiner Einheit auf die Seite der jungen Republik und verteidigte sie gegen die reaktionären Putschversuche. Nach diesen Erlebnissen entschied er sich seinen aktiven Militärdienst zu beenden, um an die Universität zurückzukehren, wo er seine Studien mit einer Promotion erfolgreich zum Abschluss brachte.
Im Anschluss führte ihn sein Weg nach Lübeck. Hier arbeitete er als Chefredakteur beim Lübecker Volksboten und wurde 1921 zum Mitglied der Lübecker Bürgerschaft gewählt. Darüber hinaus gehörte er ab 1924 als Abgeordneter der SPD dem Reichstag an und war dort in erster Linie mit Fragen der Wehrpolitik betraut. Vor allem die Rolle der Armee als „Staat im Staate“ kritisierte Leber auf Grund eigener Erfahrungen scharf und trachtete nach einer Verbindung von Armee und ziviler Bevölkerung. Diese Bestrebungen sollten bei der Neugründung der Bundeswehr in den 50ger Jahren Früchte tragen und die Idee des „Staatsbürgers in Uniform“ verwirklichen helfen. Bis heute tragen zwei Kasernen der Bundeswehr seinen Namen.

In diesen politisch unruhigen Zeiten stritt er in seiner Partei für einen Reformkurs, der sich von einer rein marxistischen Theorie des Klassenkampfes zu lösen suchte. Diese Ablehnung linksradikaler Tendenzen und die zunehmende Ausrichtung hin auf eine demokratisch legitimierte Reformpolitik, sollten später in das Godesberger Programm (1959) der SPD eingehen.
Sein Eintreten für die Republik und gegen extreme Strömungen von rechts und links wurde auch in seiner aktiven Mitgliedschaft im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold deutlich. Nachdem Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum neune Kanzler ernannt wurde, kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Mitgliedern des Reichsbanners und der SA, bei denen ein SA-Mann niedergestochen wurde. Den neuen Machthabern kam diese Gelegenheit recht, Leber aus dem Weg zu räumen und man verurteilte ihn, trotz der politischen Immunität eines Reichstagsabgeordneten, zu 20 Monaten Gefängnis mit anschließender Sicherheitsverwahrung im Konzentrationslager Sachsenhausen.
Nach seiner Entlassung im Jahre 1937 nahm er den aktiven Widerstand gegen das Regime erneut auf und sucht Kontakt zu anderen Widerstandsgruppen. Getarnt als einfacher Kohlenhändler stand er bald schon in Verbindung mit Claus Graf Schenk von Stauffenberg sowie dem ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Goerdeler und wurde schließlich ein wichtiges Mitglied im Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke. Dieser Kreis bestand aus Männern und Frauen der unterschiedlichsten politischen und sozialen Herkunft und machte sich zur Aufgabe, gemeinsam ein Konzept für ein neues und besseres Deutschland zu erarbeiten, wie es nach der unabwendbaren Kriegsniederlage Anwendung finden sollte. Bei den Widerständlern des 20. Juli 1944 war Leber als zukünftiger Innenminister im Gespräch. Als deren Attentat auf Hitler scheiterte und im Anschluss daran der Großteil des Widerstandes enttarnt und verhaftet wurde, saß Leber bereits im Gefängnis. Als er im Juni 1944 zusammen mit Adolf Reichwein versucht hatte, auch den kommunistischen Widerstand einzubeziehen, war er an einen Gestapo-Spitzel geraten und verhaftet worden. Nach dem man ihm zusammen mit Adolf Reichwein, Hermann Maß und Gustav Dahrendorf vor dem Volksgerichtshof den obligatorischen und erniedrigenden Schauprozess gemacht hatte, wurden er und die übrigen kurz vor Ende des Dritten Reiches hingerichtet.

Marco Maria Emunds

 

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