Johannes Rau

(1931-2006)

Ziemlich versteckt auf dem kleinen Dorotheenstädtischen Friedhof, mitten in Berlins Innenstadt, befindet sich ein fast schon unscheinbares Grab. Es ist das Grab von Johannes Rau. Darüber eine Stehle mit seinen Lebensdaten und der Gravur: „Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth“. Eine knappe aber treffende Aussage als Zeichen für die tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben, der Johannes Rau in seinem Leben immer wieder Halt und Fundament gewesen ist. Geboren am 16. Januar 1931 wächst er als drittes von fünf Kindern und Sohn eines evangelischen Pfarrers in Wuppertal-Barmen auf. Schon als junger Gymnasiast, während der dunklen Jahre der Nazi-Diktatur, sucht er die Nähe zur Bekennenden Kirche und stellt sich damit in Opposition zu den braunen Machthabern.

Als der Krieg vorbei ist, muss er das Gymnasium vorzeitig verlassen, um eine Lehre zu beginnen. Er wird Buchhändler, dann Lektor in verschiedenen Verlagshäusern und schließlich freier Journalist bei der Westdeutsche Rundschau. Auch hier sind es vor allem religiöse aber auch bereits politische Themen, die in seinen Artikeln nun immer häufiger eine Rolle spielen.

Es ist die Zeit eines Neuanfangs. Adenauer ist Kanzler und über die Frage einer möglichen deutschen Wiederbewaffnung entzünden sich in der jungen Republik die ersten Proteste. Aus dieser Bewegung heraus gründet Gustav Heinemann im November 1952 die „Gesamtdeutsche Volkspartei“ (GVP), in die auch Johannes Rau eintritt. Nachdem diese jedoch wegen zu geringer Wahlerfolge wieder aufgelöst wird, wechselt er ebenso wie Heinemann und viele andere Parteifreunde zur SPD. Bereits ein Jahr später ist er Mitglied im nordrhein-westfälischen Landtag. Nun folgen eine ganze Reihe von Ämtern und Positionen, die er im Laufe seines Lebens annehmen und ausfüllen wird. Mit 38 Jahren wird er Oberbürgermeister von Wuppertal und schon nach einem weiteren Jahr erneut nach Düsseldorf gerufen, um dort im Kabinett von Heinz Kühn (SPD) das Ministeramt für Wissenschaft und Forschung zu übernehmen. Vor allem auf dem Gebiet der Hochschulförderung setzt er Zeichen und begründet insgesamt fünf neue Universitäten/Hochschulen in NRW – Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal. Kurze Zeit später ergänzt durch die neue Fernuniversität in Hagen.

Im Jahre 1978 übernimmt er dann jenes Amt, das er die kommenden 20 Jahre wie kein anderer prägen wird – er wird Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. In den drei folgenden Landtagswahlen holt die SPD mit Johannes Rau jedes Mal die absolute Mehrheit und begründete den Ruf von Nordrhein-Westfalen als der „Herzkammer der SPD“. Zugleich erlebt Rau in dieser Zeit auch sein privates Glück und heiratet im Jahre 1982 Christina Delius, die Enkelin seines ehemaligen Vorbilds und Förderers Gustav Heinemann.
Nach einem ersten Versuch im Jahre 1994, wird er fünf Jahre später mit den Stimmen von SPD und Grünen zum achten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.
Auch jetzt ist es vor allem Raus Wille zur Verständigung und Versöhnung, die seine Amtszeit auszeichnet. Als erstes deutschen Staatsoberhaupt hält er im Jahre 2000 eine Rede vor dem israelischen Parlament und bittet um Verzeihung und Vergebung für die Gräueltaten, die das Dritte Reich an so vielen Juden verübt hat. Hier tritt deutlich sein großes Lebensmotto zu tage, dass sein Denken und Handeln bestimmt: „Versöhnen statt spalten.“

Für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident steht er nicht mehr zur Verfügung. Nach einer schweren Krankheit stirbt Johannes Rau am 27. Januar 2006 in Berlin. Betrachtet man sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, in unmittelbarer Nähe zu anderen, wie dem Philosophen Fichte oder Berthold Brecht, dann wird deutlich, dass in der Bescheidenheit des Grabes und der Klarheit der eingravierten Botschaft sich genau jener Johannes Rau wiederspiegelt, der er für soviele Menschen gewesen ist – einer von ihnen.

Marco Maria Emunds

 

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