Fritz Erler

(1913-1967)

Schaut man sich heute die Uniform der deutschen Bundeswehr und vor allem den Kragenspiegel der Soldaten an, dann findet man dort ein kleines Zeichen für eine große Veränderung im Denken der deutschen Militärtradition nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei den neuen Uniformen war der Kragenspiegel bewusst herabgesetzt und wie bei einem zivilen Herrenanzug auf dem Revers laufend angebracht worden. Dadurch sollte das neue demokratische Selbstverständnis einer Parlamentsarmee zum Ausdruck gebracht werden, bei der der Bürger trotz Uniform immer noch sichtbar blieb – sowohl physisch wie auch geistig-moralisch.
Einer der Wegbereiter und Vordenker dieser neuen Auffassung der deutschen Armee war der langjährige Verteidigungs- und Wehrexperte der SPD, der Berliner Fritz Erler.
Als er am 14. Juli 1913 im Arbeiterviertel Prenzlauer Berg als Sohn einer Schneiderin und eines Frisörs geboren wurde, konnte noch keiner ahnen, dass der kleine Fritz eines Tages zu einem der führenden Köpfe der deutschen Sozialdemokratie, zu einen der besten Parlamentsredner des Bundestages und zu einem scharfen Widersacher von Adenauer und Erhard werden würde. Nach seinem Abitur hätte der junge Erler gerne studiert, doch seine einfache Herkunft war damals ein großes Hemmnis auf dem Weg des geraden beruflichen Aufstiegs – eine Tatsache, wie sie auch über 100 Jahre später in der Bundesrepublik leider in vielen traurigen Fällen immer noch zutrifft. Aus diesem Grund wurde er Stadtinspektor des Bezirksamtes Prenzlau und lernte bei dieser Arbeit schnell die großen Missstände in den Arbeitervierteln Berlins kennen. Nach dem Vorbild seiner Eltern, die beide aktive Mitglieder des SPD-Ortsvereins waren, wurde er 1928 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjungend (SAJ). Ein junger Mann mit solch politischen Ansichten war den braunen Machthabern, die ab 1933 den Ton in Deutschland angaben, natürlich ein Dorn im Auge und nach Jahren des Widerstands im Untergrund, bei denen Erler unter anderem verbotene Schriften in Umlauf brachte, wurde er 1938 von der Gestapo verhaftet und im Konzentrationslager Dachau interniert. Als der Krieg dem Ende entgegen ging, schickte die SS die Häftlinge der Lager auf sogenannte „Todesmärsche“, bei denen die Gefangenen solange marschieren mussten, bis sie vor Erschöpfung reihenweise tot umfielen. Auch Fritz Erler befand sich auf einem solchen Marsch, konnte jedoch fliehen und sich in den Wirren der letzten Kriegswochen in Süddeutschland verstecken.
Unmittelbar nach Kriegsende beteiligte er sich am Wiederaufbau von Land und Partei. Zur neuen Führungsfigur seiner Partei wurde Kurt Schumacher, auf den Erler bereits in den Jahren der Gefangenschaft getroffen war. Doch nicht Schumacher sondern Adenauer wurde zum ersten Bundeskanzler der jungen Bundesrepublik gewählt, was für die Sozialdemokratie, die bei den Wahlen nur knapp zwei Prozentpunkte hinter der CDU gelegen hatte, einen Rückschlag darstellte. Nach dem Tod Schumachers 1952 erkannte eine Gruppe von Abgeordneten, dass es Zeit war, die alte Tante SPD zu reformieren. Zu dieser Gruppe gehörte neben Herbert Wehner, Willy Brandt und Carlo Schmidt auch Fritz Erler. Daraus erwuchs 1959 das Godesberger Programm. Dies war der Beginn des Weges, der die Sozialdemokratie schließlich 10 Jahre später in die Regierungsverantwortung führen sollte und dieser Weg wäre ohne Fritz Erler so nicht denkbar gewesen. Politische Erfahrung hatte er bereits unmittelbar nach Kriegsende sammeln können, als er von 1945 bis 1949 als Landrat von Biberach und Tuttlingen aktive politische Verantwortung für das Chaos und den Neuanfang übernahm, danach Landtagsabgeordneter von Württemberg-Hohenzollern und ab 1949 Mitglied des neu gewählten deutschen Bundestages in Bonn wurde. Als rhetorisches Ausnahmetalent machte er sich auch dort schnell einen Namen – unvergessen zum Beispiel seine Rede, die als Antwort auf Kanzler Erhard gedacht war und bei der er seiner zunächst verwunderten und dann amüsierten Zuhörerschaft vortrug: „Die Rede des Herrn Bundeskanzler war sehr reziplikativ – Sie werden vielleicht fragen, was das heißt. Es heißt gar nichts, aber es spricht sich so schön.“
Im Jahre 1957 wurde er zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und 1964 schließlich zum Fraktionsvorsitzenden der SPD-Fraktion gewählt. Und wäre er nicht bereits 3 Jahre später viel zu früh mit 54 Jahren gestorben, womöglich wäre er dann bis an die Spitze des Staates aufgestiegen. Sein politisches Hauptvermächtnis lag allerdings in der demokratischen Ausrichtung der neu gegründeten Bundeswehr. Das Prinzip der sogenannten Inneren Führung und die volle demokratische Kontrolle durch das Parlament und nicht durch einen rein militärischen Oberbefehl gehen u.a. auf seine Entwürfe zurück. Bei diesem Prozess war Fritz Erler sowohl gegenüber der Adenauerregierung als auch gegenüber Zweiflern in seiner eigenen Partei eine maßgebliche Stimme, die Gehör und Umsetzung für seine Vorschläge fand. Dies alles ohne Regierungs-beteiligung und aus der Opposition heraus erreicht zu haben, nötigt noch heute jedem erfahrenen Parlamentarier großen Respekt ab. Respekt zollte man Erler auch, indem man eine Kaserne bei Kassel, viele Straßen in ganz Deutschland und die Parteizentrale des Dürener SPD-Unterbezirks nach ihm benannt hat.

Marco Maria Emunds

 

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