Fritz Bauer

(1903-1968)

Dass die Bundesrepublik Deutschland nach ihrer Gründung im Jahre 1949 eine Demokratie und ein Rechtsstaat wurde, der uns heute so selbstverständlich wie vertraut erscheint, war nicht von Beginn an auf ein Gelingen festgelegt. Mag es den Umständen und Notwendigkeiten des beginnenden Kalten Krieges geschuldet gewesen sein, viele der ehemaligen Anhänger Hitlers fanden schnell wieder Tritt in der jungen Adenauerrepublik und richteten sich in Amt und Würde ein. Die wirkliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Jahre 1933 bis 1945 begann erst Mitte der 1960er Jahre. Eine wichtige Initialzündung für diese Entwicklung waren die Auschwitz-Prozesse, die ab 1963 in Frankfurt am Main verhandelt wurden. Durchgesetzt hatte sie ein Mann, der selber das Leid der Verfolgung und Ausgrenzung während der Nazi-Diktatur erfahren musste.
Als Sohn jüdischer Eltern am 16. Juli 1903 in Stuttgart geboren, studierte Fritz Bauer in Heidelberg, München und Tübingen Rechtswissenschaften und promovierte zum Doktor jur. Bereits 1930 wurde er zum jüngsten Amtsrichter im Deutschen Reich ernannt und begann eine steile Karriere. Zehn Jahre zuvor, 1920, war er der SPD beigetreten. In den unruhigen Zeiten am Ende der Weimarer Republik machte er sich aktiv für die Demokratie stark und übernahm 1931 den Vorsitz der Stuttgarter Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Nach der Machtübertragung an Hitler beteiligte sich Bauer an einer Planung zu einem Generalstreik, wurde verhaftet, aus dem Staatsdienst entlassen und in das Konzentrationslager Heuberg interniert. Nach seiner Entlassung emigrierte er nach Dänemark und floh von dort im Oktober 1943 in das neutrale Schweden, um den Deportationen der dänischen Juden in die Vernichtungslager zu entgehen. In Schweden traf er auf den ebenfalls im Exil lebenden Willy Brandt und war mit ihm zusammen für die Zeitschrift „Sozialistische Tribüne“ tätig. Es war dann Kurt Schumacher, der Fritz Bauer 1949 nach Deutschland zurückholte, wo er ab 1950 als Generalstaatsanwalt in Braunschweig tätig wurde. Seinen ersten größeren Auftritt hatte er 1952 als Ankläger im sogenannten Remer-Prozess. Major Otto Remer war während des Stauffenberg-Attentats im Juli 1944 Stadtkommandant in Berlin gewesen und hatte entscheidend zum Scheitern des Umsturzversuches gegen Hitler beigetragen. Nach dem Krieg hatte Remer die Attentäter um Graf Stauffenberg als Landesverräter bezeichnet. Nachdem sich Staatsanwalt Erich Topf, einst selber NSDAP und SA Mitglied, weigerte, Anklage zu erheben, griff Fritz Bauer selbst ein und übernahm das Verfahren. Nach zähen Verhandlungen entschied das Gericht, dass das Verhalten der Männer des 20. Juli 1944 kein Hochverrat war, da es sich beim NS-Staat um einen Unrechtsstaat gehandelt habe. Zwar entzog sich Remer der Strafe durch Flucht ins Ausland, aber ein viel entscheidenderes Ergebnis war, dass sich die Sichtweise auf die Gruppe um Claus Graf Stauffenberg durch den Prozess grundlegend geändert hatte. Waren laut Umfragen vorher nur 38 % der befragten Deutschen der Meinung, das Attentat sei positiv zu bewerten, stieg die Zahl nach der Urteilsverkündung auf 58% an. Nun war Bauer bundesweit bekannt und konnte sein Vorhaben, die strafrechtliche Verfolgung des von den Nationalsozialisten begangenen Unrechts, fortsetzen. Sein Grundanliegen war dabei die Hoffnung, das demokratische Rechtsbewusstsein innerhalb der deutschen Justiz so zu festigen, dass ein Rückfall in die Zeit des Unrechts undenkbar werden würde.
Ministerpräsident Georg August Zinn holte ihn 1956 als hessischen Generalstaatsanwalt nach Frankfurt. Als er hier durch einen im argentinischen Exil lebenden jüdischen Emigranten vom Aufenthaltsort des ehemaligen SS-Mannes und Organisator des Holocausts Adolf Eichmann erfuhr, reichte er diese Informationen an den israelischen Geheimdienst weiter, was schließlich zum Prozess und der Verurteilung Eichmanns in Jerusalem führte. Dass Bauer dabei den offiziellen Weg über die deutschen Behörden vermied, war der Tatsache geschuldet, dass er mit seinem Kampf gegen die Verbrecher des NS-Regimes in weiten Teilen der deutschen Justiz und Verwaltung immer noch auf teilweise heftigen Widerstand und Unverständnis stieß. Dies sollte sich im Jahr 1963 noch verstärken, als auf Betreiben Bauers die sogenannten Auschwitz-Prozesse am Landgericht Frankfurt begannen. In diesen Verfahren standen erstmals die SS-Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz und damit die mittlere Ebene der NS-Vernichtungshierarchie vor Gericht. Neben dem eigentlichen Prozess kam es außerhalb des Gerichtssaals durch dieses Verfahren zu einer bundesweiten Thematisierung und Auseinandersetzung mit dem Holocaust in seiner ganzen Tragweite. Innerhalb seiner eigenen Berufsgruppe war Bauer mit seinem Durchhaltewillen und seiner Überzeugung mehr als umstritten. „In der Justiz lebe ich wie im Exil“ kommentierte er diesen Zustand einmal ernüchtert.
Nach seinem plötzlichen Tod am 01. Juli 1968 sollte es noch lange dauern, bis er von dem Land, das ihn einst ins Exil getrieben, mit dem Tod bedroht und in das er dennoch zurückgekehrt und für dessen Rechtsbewusstsein er sich so eingesetzt hatte, ein Stück weit dankbare Anteilnahme für sein Bemühen erfahren sollte. Heute sind der Vorplatz des Braunschweiger Gerichts sowie ein Institut zur Erforschung des Holocausts nach ihm benannt. Die Vorbereitungen zu einem Prozess gegen die Verantwortlichen der Euthanasiemorde während des Dritten Reiches blieben ohne ihn jedoch unvollendet. Eine offizielle Auszeichnung von Seiten der Bundesrepublik (postum) hat Fritz Bauer bis heute nicht erhalten

Marco Maria Emunds

 

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