Friedrich Ebert

(1871-1925)

Friedrich Ebert stand an einer Schnittstelle der deutschen Geschichte im Auge des Sturms und ist dabei bis heute einer der wichtigsten deutschen Politiker des vergangenen Jahrhunderts. Er war das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt Deutschlands und wurde von links als Arbeiterverräter und von rechts als Landesverräter verunglimpft. Was aus der ersten deutschen Republik ohne ihn geworden wäre, steht ebenso zur Debatte wie die Frage, was aus eben dieser Weimarer Republik hätte werden können, wäre Ebert nicht bereits 1925 mit 54 Jahren an einer verschleppten Blinddarmentzündung gestorben.
Das Jahr seiner Geburt am 4. Februar 1871 ist zugleich das Gründungsjahr des neuen Deutschen Reiches, das Otto von Bismarck nicht mit den Idealen von Demokratie und Freiheit getauft, sondern aus Eisen und Blut schmiedete und an dessen Spitze der preußisch-deutsche Kaiser Wilhelm I. stand. Niemand hätte damals ahnen können, dass der Heidelberger Sohn eines einfachen Schneidermeisters einst der Nachfolger des letzten deutschen Kaisers werden würde. Ebert begann sein Berufsleben mit der Lehre eines Sattlers und geriet bald schon wegen seiner politischen Umtriebe auf die „schwarte Liste“ der Polizei. Im Mai 1894 heiratete er die Fabrikarbeiterin Louise Rump und betrieb mit ihr eine Gastwirtschaft, die schnell zum geheimen Treffpunkt für Sozialisten und Gewerkschafter wurde. Seit 1889 war er selbst Mitglied der jungen SPD und wurde 1900 in die Bremer Bürgerschaft gewählt. Dort führte er die sozialdemokratische Fraktion und machte sich während des in Bremen tagenden Parteitages einen Namen. Auch August Bebel wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn nach Berlin. 1912 zog er in den Reichstag ein, wo die SPD mittlerweile ihren Status als Massenpartei ausgebaut hatte. Schon im nächsten Jahr wurde Ebert zusammen mit Hugo Haase an die Spitze dieser Partei als Nachfolger Bebels als Parteivorsitzender gewählt. Es war der Vorabend des Ersten Weltkrieges. Bei Ausbruch des Krieges bewilligte die SPD Fraktion die notwendigen Kriegskredite noch geschlossen, doch als der Krieg immer länger dauerte und an Grausamkeit stetig zunahm, entbrannte in der SPD Fraktion Streit über die Haltung in Fragen von Krieg und Frieden. Am Ende war die Spaltung nicht mehr zu verhindern und die Partei zerfiel in MSPD und USPD. Dann kam der Zusammenbruch an der Westfront und in Deutschland probten die Arbeiter- und Soldatenräte den Aufstand. Als am 09.November 1918 der Kaiser für abgesetzt erklärt wurde, drohte das Land vollends im Chaos zu versinken. Der letzte Reichskanzler der alten Ordnung Max von Baden übertrug kurzerhand dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert, als Vorsitzendem der stärksten Fraktion im Reichstag, sein Amt und entzog sich ebenso wie die übrigen politischen als auch militärischen Verantwortlichen der Konsequenzen des von ihnen entfachten und bis zum bitteren Ende betrieben Krieges. Während in vielen Städten des Reiches Aufstände ausbrachen, es zu Straßenkämpfen und Streiks kam, große Teile der Bevölkerung nach vier Kriegsjahren Hunger und Krankheiten plagten und der Großteil der Soldaten noch mitten im feindlichen Gebiet standen, entbrannte in Berlin bereits der Kampf um die Zukunft des Landes. Am 09. November riefen sowohl der Sozialist Karl Liebknecht wie auch der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann unabhängig voneinander die Republik aus, während Ebert selbst noch an eine konstitutionelle Monarchie dachte. Um Einheit und Klarheit zu erlangen, bildete man den sogenannten Rat der Volksbeauftragten aus MSPD und USPD. Diese vorläufige Regierung stand vor enormen Herausforderungen: Über 4 Millionen Soldaten mussten geordnet aus Frankreich und Belgien zurückgeholt werden, die Versorgungskrise im Reich musste gelöst, die bewaffneten Arbeiter- und Soldartenräte beruhigt, die reaktionären Freikorps entwaffnet, eine neue Verfassung erarbeitet und der Friedensvertrag mit den Alliierten ausgehandelt werden. Dabei baute sich sowohl vom Ausland her enormer Druck auf, der sich im Versailler Friedensvertrag auf so tragische Weise entlud und die junge Republik ebenso belastete wie die Vorwürfe der Reaktionäre, die deutsche Armee sei von Sozialisten, Demokraten und Juden aus der Heimat heimtückisch erdolcht worden. Zugleich forderten die radikale Linke um Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und den Spartakusbund die Einführung einer Rätepublik nach sowjetischem Vorbild. Als Liebknecht und Luxemburg am 15. Januar 1919 ermordeten wurden, drohte das Land im Bürgerkrieg zu versinken. Auch danach rissen die politischen Morde nicht ab und es kam immer wieder zu Putschversuchen von links und rechts. In dieser Phase wählte die in Weimar einberufene Nationalversammlung Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten und bestätigte ihn 1922 in diesem Amt. Seine Aufgabe sah dieser nun vor allem darin, das Volk von der neuen Staatsform der Republik zu überzeugen und sie gegen die Anfeindung von rechts und links außen zu schützen. Ein Revolutionär ist Ebert dabei nie gewesen und mit der Schreckensvorstellung der russischen Oktoberrevolution und ihrem anschließenden Bürgerkrieg zwischen roten und weißen Truppen ging er ein Bündnis mit Wilhelm Groener, dem neuen Chef der deutschen Heeresleitung, ein. In diesem Pakt lag das große Wagnis und für manche auch die entscheidende Fehlleistung Eberts. Während er sich damit die Zusicherung und den Rückhalt der Armee gegen mögliche Putschversuche linksradikaler Kräfte sicherte, gewährte er dieser im Gegenzug die Unantastbarkeit der Heeresführung in den Händen der alten Kräfte. Innenpolitisch setzten Ebert und andere Demokraten dieses Machtmittel sowohl gegen Aufstände des Spartakusbundes wie auch indirekt gegen den Hitlerputsch von 1923 ein, seine Hoffnung aber, mittel- bis langfristig das Militär der demokratischen Regierung unterzuordnen, erfüllte sich jedoch nicht. Dass nach Eberts Tod der ehemalige Feldmarshall des Kaisers Paul von Hindenburg sein Nachfolger als Reichspräsident wurde, verstärkte diese Entwicklung zusätzlich.
Wie die Entwicklung der ersten deutschen Demokratie mit Friedrich Ebert weitergegangen wäre, bleibt Mutmaßung. Sicher ist jedoch, dass der Arbeitersohn aus Heidelberg in einem entscheidenden Moment Verantwortung für Deutschland übernommen und seine ganze Kraft für die Einführung und den Erhalt der ersten parlamentarischen Republik auf deutschem Boden eingesetzt hat.

Marco Maria Emunds

 

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