Ferdinand Lassalle

(1825–1864)

Otto von Bismarck schrieb über Ferdinand Lassalle: „Was er hatte, war etwas, was mich als Privatmann außerordentlich anzog: er war einer der geistreichsten und liebenswürdigsten Menschen, mit denen ich je verkehrt habe […].“ Eine solche Aussage, besonders wenn sie von einem politischen Gegner getroffen wird, erlaubt einen kleinen Einblick in das kurze, aber ereignisreiche Leben des am 11.April 1925 in Breslau geborenen Ferdinand Lassal –später wird er seinen Nachnamen in Lassalle abändern, als Ausdruck der persönlichen Verneigung vor dem Frankreich des 19. Jahrhunderts, das den Anhänger von Bürgerrechten und Demokratie damals als großes Vorbild galt. Die Ideen der Französischen Revolution von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit waren dem jungen Ferdinand bereits aus seinem jüdisch-liberalen Elternhaus gut bekannt. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er mit großem Interesse Philosophie und Geschichte in Breslau und Berlin, wo er sich vor allem mit Hegel und dessen Dialektik intensiv auseinandersetzte.

Beeinflusst durch die studentischen Verbünde und den freien Gedankenaustausch an den Universitäten entdeckte Lassalle rasch seine Begeisterung für die neuen Bewegungen und Ideen, die nach Gleichberechtigung aller Bürger, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit strebten. In Paris lernte er Heinrich Heine und Pierre Joseph Proudhon kennen und auch der Trierer Karl Marx und der Wuppertaler Friedrich Engels gehörten zu seinen Bekannten. Unter seinen neuen Freunden fiel er allerdings auf Grund seines spezifischen Habitus und seines eleganten Auftretens auf, dass ein gewisses Maß an Großbürgertum und Contenance nie ganz ablegen konnte und jemandem wie Karl Marx vollkommen fremd war.
Gemeinsam war dieser bunten Truppe die Sehnsucht nach einem erneuten Ausbruch der bisher gescheiterten Änderungsbestrebungen und als es 1848 schließlich soweit war, rief Ferdinand Lassalle, beflügelt von den frischen Hoffnungen, zum bewaffneten Kampf gegen die Restauration auf. Hierfür wurde er nach dem Scheitern dieser frühen deutschen Demokratiebewegung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Der Wind legte sich und über dem Deutschen Reich breitete sich eine vorläufige Stille aus. Die Bürger hatten erst einmal genug von der Politik und ihren Unruhen und Kämpfen, man zog sich ins Privatleben zurück. Auch Lassalle widmet sich in dieser Zeit literarischen und wissenschaftlichen Studien. Im Jahre 1857 erscheint sein philosophisches Werk über den antiken Philosophen Heraklit und ein Jahr später das literarische Drama über die Bauernkriege „Franz von Sicking“.

Ganz still war es jedoch nicht geworden, in Europa raunte man weiterhin von den Ideen von Demokratie, Gleichberechtigung und Sozialismus. Diese Gespenster gingen säuselnd umher und waren nicht mehr aus den Köpfen von Leuten wie Garibaldi, Liebknecht oder Bakunin zu tilgen. Und auch Lassalle setzt sich mit diesen Fragen einer politisch gerechteren Zukunft auseinander.
Am 23. Mai 1863 wird im sächsischen Leipzig dann der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) gegründet und Lassalle zu seinem ersten Präsidenten gewählt. Ziel war es, die Interessen und Rechte der durch die Industrialisierung zunehmend anwachsenden Gruppe der Lohnarbeiter zu vertreten. Hieraus sollte einige Jahre später die Partei der Sozialdemokratie hervorgehen, die SPD. Zugleich kam es zum entscheidenden Bruch mit der marxistischen Bewegung über die Frage, wie das Ziel einer gerechten Gesellschaft zu erreichen sei. Lassalle setzt dabei auf eine Zusammenarbeit mit dem Staat, in dessen Rahmen er durch Reformen die Gesellschaft zu verändern trachtete. Einen gewaltsamen Umsturz durch eine Revolution lehnt er ab. Für ihn musste die Veränderung der Lebensverhältnisse an der Wahlurne und nicht auf der Barrikade entschieden werden. Den blutigen Klassenkampf der Marxisten hielt er für einen Irrweg. Dazu trugen nicht zuletzt seine Erfahrungen in den gescheiterten Märzunruhen des Jahres 1848 bei, die er in Düsseldorf miterlebt und durchlebt hatte. Die Anhänger von Marx warfen ihm daraufhin vor, er verwechsle das Proletariat mit dem Kleinbürgertum und suche nur den Kompromiss und Ausgleich mit dem Klassenfeind. Dass Lassalle trotz seiner starken Orientierung am Machbaren ein starker Idealist war, in dem weniger Marx und mehr Hegel steckte, wurde dabei oft übersehen.
Dennoch war und blieb er auch immer ein Kind seiner Herkunft, das den Luxus und das Leben liebte. Selbst sein Tod zeigt, wie vielschichtig das all zu kurze Leben dieses linken Bildungsbürgers mit liberalen Wurzeln und demokratischen Idealen war, dass 1864 in Genf endete, als Ferdinand Lassalle den Folgen eines Duells erlag.
Dass er bis heute für viele Politiker als eine Art Vorbild gilt, verdeutlicht nicht zuletzt die Tatsache, dass sowohl Peer Steinbrück als auch Oskar Lafontaine eines der vielen zeitlosen Zitate Lassalles an den Beginn ihrer eigenen Bücher gestellt haben: „Alle große politische Aktion besteht im Aussprachen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und bemänteln dessen, was ist.“ Dass es womöglich bei dem einen oder anderen Politiker wünschenswert sein könnte, er möge Lassalle nicht nur zitieren, sondern seine politischen Schriften bei Gelegenheit auch lesen, ergänzt die Aussagen, die Otto von Bismarck über Ferdinand Lassalle getroffen hat.

Marco Maria Emunds

 

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