Clara Zetkin

(1857-1933)

Clara Zetin

Winston Churchill wird die Aussage zugeschrieben: „History is written by the victors“. So begann man nach dem Mauerfall in Berlin damit, die Straßennamen im Ostteil der Stadt den neuen politischen Gegebenheiten anzugleichen. Wer erinnert sich beispielsweise noch daran, dass die heutige Dorotheenstraße in Berlin-Mitte, bis zum 01.November 1995 noch Clara-Zetkin-Straße hieß? Die Namensgeberin wurde als Clara Eißner am 05.Juli 1957 in Wiederau, im damaligen Königreich Sachsen geboren. Als Tochter des Dorflehrers waren ihr von Kindheit an die einfachen Lebensverhältnisse der Dorfbewohner und Arbeiter wohl vertraut. Nicht wenig begabt, hatte Clara es vor allem dem Einsatz ihrer Mutter zu verdanken, dass sie trotz ihrer einfachen Herkunft und als eine der ersten deutschen Frauen, eine Ausbildung zur Lehrerin absolvieren konnte. Während dieser Zeit in Leipzig lernte sie den russischen Studenten Ossip Zetkin kennen, mit dem sie sich gemeinsam in der Sozialistischen Partei Deutschland (SAP) engagierte.
Es war die Zeit der Industrialisierung, die die bisherigen Lebensverhältnisse im Deutschen Reich völlig durcheinanderbrachten, in dem sie einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung auf der einen und die Entstehung großer Armutsgruppen auf der anderen Seite hervorbrachte. Die zunehmende Verelendung in den anwachsenden Wohnquartieren an den Ballungs- und Industriezentren beförderte die Verbreitung einer neuen Idee: der Sozialismus wollte soziale Gerechtigkeit und politische Partizipation für die Arbeiter. Dies stieß auf den Widerstand der Herrschenden, an deren Spitze der Reichkanzler Otto von Bismarck mit Hilfe der Sozialistengesetze Gruppierungen wie die der SAP verbieten ließ. Clara und ihr Lebensgefährte Ossip Zetkin gingen ins Exil nach Paris. Dorthin hatte es auch andere Querdenker gezogen wie Karl Marx oder Heinrich Heine.
Als Ossip schwer erkrankte, war Clara gezwungen, sowohl die Betreuung der gemeinsamen Kinder, als auch die Pflege des Kranken Mannes und den Unterhaltserwerb zu übernehmen. Sie betätigte sich als freie Journalistin, Übersetzerin und Hauslehrerin und hielt so ihre Familie mehr schlecht als recht über Wasser. Im Jahre 1889 verstarb ihr Lebensgefährte und Clara Zetkin blieb mit den Kindern allein zurück. Für eine Frau in der damaligen Zeit eine alles andere als leichte Aufgabe. Doch Clara stellte ihren Willen und ihr Durchhaltvermögen unter Beweis. Noch im selben Jahr erschien ihr Buch „Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart“. Sie hatte darin ihr politisches Lebensthema gefunden und noch heute klingen die meisten Forderungen Claras überaus aktuell: es ging um das Recht der Frau auf Arbeit, damit einhergehend die ökonomische Unabhängigkeit der Frauen, die Forderung nach gleichen Löhnen bei gleicher Arbeit, eine staatliche Kinderbetreuung für berufstätige Frauen und die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Organisation auch bei Frauen.
Nachdem 1890 die Sozialistengesetze aufgehoben wurden, kehrte Clara Zetkin nach Deutschland zurück und übernahm die Redaktion der sozialdemokratischen Zeitung für Frauen „Die Gleichheit“, die sie von nun an 25 Jahre lang leiten sollte. Gleichzeit engagierte sie sich innerhalb der Sozialistischen Internationalen und rief den Internationalen Frauentag ins Leben, der im Jahre 1911 erstmals gefeiert wurde.
Im Bereich von Lebensführung und Erziehung trat sie dafür ein, dass die Ehe als ein Zusammenschluss gleichberechtigter Partner angesehen werden solle, bei dem zwei Individuen und nicht zwei Rollenbilder oder Geschlechter aufeinander träfen. Sie selber heiratete 1900 den 18 Jahre jüngeren Dichter und Malter Friedrich Zundel.
Dann kam das Jahr 1914 und in Europa gingen die Lichter aus, der Erste Weltkrieg hatte begonnen. Sie gehörte zu jenen Sozialdemokraten, die sich vehement gegen die Unterstützung dieses Krieges aussprachen und dafür auch die eigene Verhaftung und Anklage wegen Landesverrats in Kauf nahmen. Als sich im Jahre 1917 schließlich über die Kriegsfrage die SPD entzweite, schloss sich Clara Zetkin der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) an, aus der die KPD hervorging. Von 1920 bis 1933 vertrat sie diese Partei als Abgeornete im Berliner Reichstag, zu dessen Alterspräsidentin sie schließlich ernannt wurde.
Fast blind trat sie in dieser Funktion noch 1932 an das Rednerpult und forderte, gegen den lautstarken Protest der vielen Naziabgeorndeten in ihren braunen SA-Uniformen anredend, einen Zusammenschluss aller demokratischen Kräfte, mit dem Ziel den Faschismus zurückzuwerfen, um damit den Versklavten und Ausgebeuteten die Kraft und Macht ihrer Organisation zu erhalten, ja sogar ihr physisches Leben.“
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Clara Zetkin in Moskau, wo sie zu einer vehementen Gegnerin Stalins und dessen Politik wurde, was sie erneut in die politische Außenseiterrolle führte.
Vor dem Hintergrund dieses mutigen und satten Lebensweges der Clara Zetkin fragt man sich, ob das Bestreben des damaligen CDU-Verkehrssenators von Berlin, die Clara-Zetkin-Straße umzubenennen, womöglich zu voreilig betrieben wurde. Ihr Name steht bis heute für den engagierten politischen Einsatz für soziale Gerechtigkeit und die Ideale des Feminismus und Pazifismus.

Marco Maria Emunds

 

Koalitionsvertrag

Jülicher Erklärung

Aktuelle Termine

Alle Termine öffnen.

29.01.2018, 18:30 Uhr - 20:30 Uhr OV Sitzung

06.02.2018 Fraktionssitzung

06.03.2018 Fraktionssitzung

10.04.2018 Fraktionssitzung

08.05.2018 Fraktionssitzung

Alle Termine

Mitglied werden in der SPD

Mit einer Mitgliedschaft in der SPD können Sie sich aktiv für sozialdemokratische Politik einsetzen, und die Kommunalpolitik in Ihrer Stadt mitgestalten. Hier ist unser Aufnahmeantrag zum Download.

Counter

Besucher:541800
Heute:49
Online:1