Carlo Schmid

(1896-1979)

Carlo Schmidt ist untrennbar mit der Geburtsstunde der jungen Bundesrepublik verbunden, zu deren führenden Gründungsvätern er zählt. Wie die meisten seiner Generation waren die Erfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie der braunen Diktatur tief in seine Biografie eingeschrieben. Aus dieser Erfahrung heraus war im Jahre 1949 ein striktes „Nie wieder!“ die entscheidende Grundintention bei der Gründung eines demokratischen Deutschlands.

Geboren wurde Carlo Schmidt am 03. Dezember 1896 in Südfrankreich, als Sohn einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters, den eine Anstellung als Dozent der Universität von Toulouse nach Frankreich geführt hatte. Im Jahre 1908 zog die Familie zurück nach Deutschland, nach Stuttgart. Hier wuchs Carlo Schmidt auf, machte 1914 sein Abitur und ging als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg.
Nachdem er den Schützengräben bei Verdun entkommen war, begann er 1919 ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen, das er 1923 mit Promotion zum Dr. jur. in Frankfurt am Main beendete. Die Juristerei sollte sein ganzes Leben hindurch seine Leidenschaft bleiben. Nach kurzer Tätigkeit als niedergelassener Rechtsanwalt, trat er 1925 in den württembergischen Justizdienst ein, um zwei Jahre später als Hauptreferent für Völkerrecht nach Berlin und an den Internationalen Gerichtshof von Den Haag zu wechseln. Nach der Habilitation in Tübingen kehrte Schmid 1930 als Dozent für Völkerrecht an die Universität von Tübingen zurück. Einer akademischen Traumkarriere schien nichts mehr im Wege zu stehen, doch die neuen Machthaber, die Nationalsozialisten, fanden in Schmid keinen Anhänger. Schon 1933 erhielt seine Akte einen offiziellen Sperrvermerkfür weitere Berufungen und Beförderungen und auch seine öffentlichen Äußerungen über den Nationalsozialismus, verschafften ihm kein Wohlwollen in Berlin. Um weiteren Schwierigkeiten zu entgehen, trat er dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen bei. 1940 wurde er eingezogen und als juristischer Berater der Oberfeldkommandantur nach Lille versetzt. Dort konnte er die Kriegsjahre überstehen und kehrte schließlich in seine zerstörte und orientierungslose Heimat Württemberg zurück.
Nun sah er sich in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und die französische Militärverwaltung hatte genügend Vertrauen in den ausgewiesenen Juristen, um ihn zum Präsidenten des Staatssekretariats für die Region Tübingen zu ernennen. Die Organisation und der Aufbau des neuen Landes Württemberg-Hohenzollern wurden zu seinem Arbeitsfeld. Zugleich übernahm er 1946 den Vorsitz des SPD-Landesverbandes und wirkte tatkräftig an der Wiedereröffnung der Eberhard Karls Universität von Tübingen mit. Darüberhinaus übernahm er eine Professur für Öffentliches Recht und wurde 1947 Justizminister von Württemberg-Hohenzollern. Als sei dies nicht schon Aufgabe und Herausforderung für mehr als einen Mann, übernahm Schmid 1948/49 den SPD-Fraktionsvorsitz im Parlamentarischen Rat in Bonn und wurde ab 1949 Mitglied im neugewählten Deutschen Bundestag, zu dessen Vizepräsident er von 1949 bis 1966 und von 1969 bis 1972 gewählt wurde. Sein Hauptverdienst dieser Jahre liegt allerdings bei der Ausarbeitung der neuen deutschen Verfassung, dem Grundgesetz, an der er maßgeblich beteiligt war.
Im August 1948 traf sich die Verfassungskonferenz auf der Insel Herrenchiemsee, um dort über die Verfassung der noch zu gründenden Demokratie zu beraten. Vor allem die ersten 20 Artikel, die die unabänderlichen Rechte eines jeden Menschen, wie die Unantastbarkeit seiner Würde oder die Versammlungs- und Meinungsfreiheit garantieren, als auch die Ewigkeitsklausel in Artikel 79, sollten als Lehre aus der Weimarer Republik die Rechtsstaatlichkeit und Demokratie der Bundesrepublik garantieren. Am 08. Mai 1949 wurde das Grundgesetz als Verfassung des neu begründeten Staates Bundesrepublik Deutschland vom Parlamentarischen Rat mit 53 zu 12 Gegenstimmen – letztere unter anderem aus Reihen der CSU – angenommen. Als ausgewiesener und erfahrener Jurist war Carlo Schmidt bei diesem Prozess einer der entscheidenden und gefragtesten Entwickler dieser Verfassung.
Seit 1958 Mitglied im SPD-Präsidium sollte er auch beim Godesberger Programm seiner Partei maßgeblich Einfluss nehmen. Im Jahre 1959 trat er für die SPD bei der Wahl zum Bundespräsidenten an, um nur knapp dem CDU Kandidaten Heinrich Lübke zu unterliegen. 1966 berief in Kanzler Kiesinger als Minister in sein Kabinett der Großen Koalition. Daneben war er vor allem weiterhin als Professor an der Universität Frankfurt tätig und setzte sich für die deutsch-französische Aussöhnung ein. Zu diesem Land besaß er seit Geburt an und durch die Erfahrungen beider Weltkriege eine sehr enge und emotionale Beziehung. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde 2001 das „Carlo-Schmid-Programm für Praktika bei Internationalen Organisationen und EU-Institutionen“ gegründet, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) für den Austausch auf europäischer Ebene im Sinne Carlo Schmids wirbt.

Carlo Schmid, der am Ende seines Lebens kunstvoll die Werke Machiavellis und Baudelaires übersetze und seine Autobiographie schrieb, verstarb am 11. Dezember 1979 in Bonn. Er soll einmal gesagt haben: „Als ich jung war, glaubte ich, ein Politiker müsse intelligent sein. Jetzt weiß ich, dass Intelligenz wenigstens nicht schadet.“ Dass diese Aussage auf ihn selbst mehr als zutraf, ist bis heute ebenso unbestritten wie seine Verdienste um die junge Bundesrepublik und die womöglich beste Verfassung ihrer Geschichte.

Marco Maria Emunds

 

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