August Bebel

(1840–1913)

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war in Deutschlands geprägt von drei Größen: Preußen, Otto von Bismarck und der erwachenden Arbeiterbewegung. Einer ihrer führenden Köpfe war August Bebel. Als er am 13.August 1913 und damit nur knapp ein Jahr vor dem Ende eines ganzen Zeitalters, verstarb, fanden sich 10 000 Trauergäste zu seinem Begräbnis in Zürich ein. Während man in der Berliner Staatskanzlei und am Hofe Kaiser Wilhelms daran offiziell kein Anteil nahm, titelte ein Zeitung „August Bebel, der Arbeiterkaiser ist tot“.

Ein Unbekannter war Bebel bei weitem nicht. Oftmals war er in seinen Jahren des Kampfes für die politischen und sozialen Rechte der Arbeiterschaft den konservativen und großbürgerlichen Kräften in Berlin, Leipzig und Hamburg entgegengetreten. Seine stärkste Waffe in diesem Kampf war sein rhetorisches Talent – zu einer seiner Reden 1890 in Hamburg kamen 50 000 Zuhörer und sein ärgster Widersacher Reichskanzler von Bismarck bezeichnete ihn als den „einzigen Redner“ im Parlament, während Friedrich Engels ihn mit dem antiken Rhetoriker Demostehenes verglich. Dabei waren diese Möglichkeiten dem jungen Bebel nicht in die Wiege gelegt worden. Als Sohn eines Unteroffiziers wurde er am 22. Februar 1840 in Deutz bei Köln geboren. Nach dem frühen Tod von Vater und Mutter absolvierte er nach dem Besuch einer Armenschule eine Lehre zum Drechsler und kam im Zuge seiner Wanderjahre als Geselle nach Leipzig. Hier ließ er sich nieder und eröffnete eine kleine Werkstatt. Leipzig war eine blühende Handels- und Kaufmannsstadt und bot auch den Handwerkern und Arbeitern reichlich Möglichkeiten, sich in sogenannten Bildungsvereinen zu organisieren und für die eigene Weiterbildung zu sorgen. Seit 1861 war auch August Bebel Mitglied eines solchen „Arbeiterbildungsvereins“ und wurde 1865 zu dessen Vorsitzendem gewählt. Zwei Jahre später war er bereits Präsident des „Verbandes deutscher Arbeitervereine“ und im gleichen Jahr als Abgeordneter der von ihm mitbegründeten „Sächsischen Volkspartei“ in den Norddeutschen Reichstag entsandt worden. Sein politisches Wirken hatte begonnen. Beeinflusst durch die Schriften von Karl Marx, Friedrich Engels und in kritischer und zugleich produktiver Auseinandersetzung mit den Ideen von Ferdinand Lassalle, führte er im Jahre 1869 gemeinsam mit Wilhelm Liebknecht (dem Vater Karl Liebknechts) den „Arbeiterbildungsverein“ und die „Sächsische Volkspartei“ in Eisenach zur „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ (SDAP) zusammen. Doch damit nicht genug, getragen von der Überzeugung, dass nur der Zusammenschluss und Zusammenhalt der politischen Arbeiterbewegung langfristig zum Erfolg führen könne, fand 1875 in Gotha der Vereinigungsparteitag der SDAP mit Lassalles „Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein“ zur „Sozialistischen Arbeiterpartei“ (SAP) statt, die sich 1890 schließlich in „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) umbenannte. Damit gehört August Bebel zu den entscheidenden Gründungsvätern dieser ältesten und stolzen Partei in Deutschland.

Auf diesem Weg mussten allerdings eine ganze Reihe von Richtungskämpfen und Konflikten ausgefochten werden, sowohl innerparteilich als auch und vor allem in Auseinandersetzung mit dem reaktionären preußischen Obrigkeitsstaat. In dieser Phase tat sich August Bebel als gewichtiger Wortführer im Parlament und als einflussreicher Autor in verschiedenen sozialdemokratischen Schriften und Zeitungen hervor. Er trat für das Verbot von Kinderarbeit unter 14 Jahren ein, kritisierte den preußischen Militarismus und die weit verbreitete Misshandlung von Soldaten in der Armee, warnte eindringlich vor der aggressiven Außen- und Kolonialpolitik unter Wilhelm I., hielt Reden gegen Antisemitismus und das Dreiklassenwahlrecht und war ein entschiedener Vorkämpfer des Frauenwahlrechts und der rechtlichen Gleichstellung der Frau in Deutschland. So war sein Buch „Die Frau und der Sozialismus“ von 1879 eines der meistgelesenen Werke innerhalb der europäischen Arbeiterbewegung.

Die größte Herausforderung dieser Jahre stellte allerdings das von Otto von Bismarck erlassene „Gesetz gegen die gemeingefährliche Bestrebungen der Sozialdemokratie“ – auch als „Sozialistengesetz“ bekannt – dar. Auf diesem Wege wollte Bismarck die stetig zunehmende Arbeiterbewegung unterdrücken und ließ alle sozialdemokratischen Vereine, Zeitungen und Organisationen verbieten. Nur die Reichstagsfraktion war noch im Stande, sich für die Ziele der Bewegung einzusetzen. Als Bebel sich nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 gegen die Annexion von Elsass-Lothringen aussprach und weitere Kriegskredite ablehnte, machte man ihm und Wilhelm Liebknecht den Prozess wegen Hochverrats und verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft. Doch trotz all dieser Schritte gegen die SPD, wuchs diese Partei unter ihrem Vorsitzenden August Bebel unaufhaltsam zur Massenpartei heran und wurde schließlich im Jahre 1912 zur stärksten Fraktion im Berliner Reichstag. Bebel war an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt - nicht nur als Theoretiker. Er vertrat stets die Auffassung, dass es darauf ankomme, die Gegenwart und Lebensumstände der Menschen zum Besseren zu verändern: „Den ungeheuren Anhang und das Vertrauen in den Arbeitermassen haben wir nur“, so schreibt er in einem Aufsatz, „weil diese sehen, dass wir praktisch für sie tätig sind und nicht nur auf die Zukunft des sozialistischen Staates verweisen.“

In diesem Geiste gründete Günter Grass 2010 die August-Bebel-Stiftung, die all jene auszeichnen will, die sich für die soziale Veränderung und Verbesserung in Deutschland verdient machen, so wie August Bebel sich am Beginn der langen Geschichte der Sozialdemokratie für diese Partei und die Anliegen der Arbeiter selbst mehr als verdient gemacht hat.

Marco Maria Emunds

 

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