Annemarie Renger

(1919-2008)

Ihr Leben war vielschichtig, voller Höhen und Tiefen und zugleich auf eine ganz eigene Art und Weise konstant. Es reichte von der jungen Kriegswitwe, über die Stellung als Privatsekretärin Kurt Schumachers bis hin in das zweithöchste Staatsamt der Bundesrepublik. Bei alle dem war und blieb Annemarie Renger eine „bedeutende Parlamentariern und leidenschaftliche Demokratin“, so Norbert Lammert, einer ihrer Nachfolger im Amt des Bundestagspräsidenten. Dieses Amt füllte sie von 1972 bis 1976 als erste Frau und erste Sozialdemokratin aus und war damit zugleich die erste Frau der Welt an der Spitze eines frei gewählten Parlaments.

Seit 1945 war Annemarie Renger Mitglied der SPD. Dabei war dies schon fast eine natürliche Entscheidung, stammte die am 07.Oktober 1919 in Leipzig geborene Annemarie Wildung doch aus einer sozialdemokratischen Familie, in die sie als das fünfte von insgesamt sieben Kindern geboren wurde. Bereits ihr Großvater war für die Sozialdemokratie aktiv gewesen und ihr Vater, Fritz Wildung, war nach dem Umzug der Familie nach Berlin als Sportfunktionär seiner Partei tätig, bis er von den Nazis ins Abseits gedrängt wurde. Auch Annemarie Wildung erfuhr früh, wie sehr die politischen Überzeugungen der Eltern von praktischem Nachteil sein konnten. Im Jahre 1934 entzog man ihr aus diesem Grund das Stipendium und sie musste das Augusta-Lyzeum verlassen. Anstelle des Abiturs trat nun eine Lehre als Kauffrau. Vier Jahre später heiratete sie Emil Ernst Renger und bekam einen Sohn. Als ihr Mann 1944 in Frankreich fiel, wurde sie bereits mit 26 Jahren Witwe und musste ihren Sohn alleine durch die letzten und bedrohlichen Kriegswirren führen. Da las sie in der Zeitung die Rede eines gewissen Kurt Schumachers, der sich darum bemühte, in Hannover die SPD wieder aufzubauen. In ihren Lebenserinnerungen beschreibt Annemarie Renger diesen Moment als entscheidenden Zündfunken ihres nun beginnenden politischen Wirkens. Kurzerhand bewarb sie sich bei Kurt Schumacher um eine Anstellung als Sekretärin und wurde bis zu dessen Tod im Jahre 1952 seine Privatsekretärin, Vertraute und Lebensgefährtin. Nach seinem Tod sah sie sich stets seinen Zielen verpflichtet und wurde nicht müde, sich in diesem Sinne politisch einzusetzen, selbst wenn dies bedeutete, in Konflikt mit anderen Sozialdemokraten wie Willy Brandt zu geraten. Von ihren parteiintern Ansichten und Positionen her war sie Teil der sogenannten „Kanalarbeiter“, jener eher konservativem und gewerkschaftsnahen Gruppierung, aus der später der Seeheimer Kreis hervorging. Vor allem dem Linksdrift ihrer Partei nach den 68er Jahren stand sie kritisch gegenüber und forderte ihre Genossen zu mehr Disziplin und Seriosität auf.

Im Jahre 1953 gelang ihr der Einzug in den Deutschen Bundestag, dem sie ununterbrochen bis 1990 angehörte. Von 1969 bis 1972 war sie die erste weibliche Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion. Dann kam das Jahr 1972 mit dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Willy Brandt und den ersten vorgezogenen Bundestagswahlen in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit über 45 Prozent der Stimmen erzielte die SPD den größten Wahlerfolg in ihrer Geschichte und war damit die stärkste Fraktion. Nun kam es ihr zu, den Posten des Bundestagspräsidenten zu besetzen, den bis dahin immer die Vertreter der CDU innegehabt hatten. Als es in der Fraktion zur Diskussion kam, wer dieses zweit höchste Amt des Staates besetzen solle, schlug sich Annemarie Renger, gegen Widerstand des linken Flügels, selber vor. Später sagte sie rückblickend über diese Entscheidung und ihre Zeit im Amt: „Ich habe erreicht, was ich wollte. Es ist bewiesen, dass eine Frau das kann“. Sie hatte sich mit einer guten Portion Selbstbewusstsein in der Männerwelt des Bonner Politikbetriebs eingebracht und galt vielen Skeptikern rückwirkend als die Grande Dame der jungen Republik, die sich mit ihrer Gradlinigkeit und Verlässlichkeit den Respekt über die Parteigrenzen hinweg verdiente. Als sie am 07.Oktober 1999 ihren 80. Geburtstag im Berliner Opernpalais feierte, ließ Helmut Kohl, mit dem sie lange Jahre politischer Auseinandersetzungen verbanden, sie wissen: „Heute bin ich gerne hier. Nehmen Sie das, so wie ich das sage, als eine Art Liebeserklärung.“

Marco Maria Emunds

 

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